Als Consultant in der Entwicklungszusammenarbeit | Weitzenegger’s Karriere-Guide

Dieser Artikel richtet sich an Fachkräfte, die nach dem Entwicklungsdienst als Consultants in der Entwicklungszusammenarbeit bleiben möchten. Er erschien im Dezember 2012 in der Zeitschaft transfer 3 | 2012 „Arbeiten in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Arbeitsmarkt

Als Consultant sind Sie im EZ-Arbeitsmarkt ein Joker. Ob Sie erfolgreich eingesetzt werden, hängt davon ab, wie gut Sie Ihr Geschäft und Ihre Kundschaft kennen. Und, wie sie sich verhalten und vermarkten. Flexibilität zählt.

Private Consultingunternehmen beschäftigen in Deutschland mehr als 2500 Fachleute in der internationalen Zusammenarbeit. In anderen Geberländern sind Consultants sogar der Regelfall, denn die staatlichen Agenturen wickeln alle Projekte über Consultants ab.

Die Berufsoption „Consultant“ scheint attraktiv, weil sie Herausforderung, Abwechslung und Sinn verspricht und weil viele sich vorstellen, als Consultant gut verdienen und viel gestalten zu können. Aber um es gleich zu verraten: Ich empfehle immer zunächst eine Festanstellung beim Auftraggeber, wo Sie zweifellos auf der bequemeren Seite des Tisches sitzen. Auf der Auftragnehmerseite müssen Sie immer bereit sein, die Lücken zu füllen.

Die Festanstellung bei Consultingfirmen ist eine gute Lehrzeit. Als Nachwuchskraft in Consultingfirmen müssen Sie viel arbeiten und viel reisen. Sie lernen viel und bekommen wichtige Kontakte. Später kann es sein, dass Sie als Projektmanager zu teuer sind und Sie sich nur in der Projektleitung im Ausland oder in der freien Mitarbeit behaupten können. Eine Liste von Consulting-Firmen habe ich auf meinen Internetseiten als docon.info online gestellt.

Neben dem deutschen Kernmarkt für GIZ und KfW gibt es zahlreiche Aufträge bei internationalen NGOs und Hilfswerken, der europäischen Kommission und den Entwicklungsbanken. Allen gemeinsam sind die unterschiedlichen Verfahrensweisen bis hin zum Jargon, die Sie als Consultant beherrschen müssen. Um einen Arbeitsmarktüberblick zu gewinnen, nutze ich vor allem devex.com, das inzwischen von der KfW und den meisten anderen Agenturen als Personalbörse genutzt wird.

Anforderungen

Was Consultants formal können müssen, steht in der Leistungsbeschreibung (ToR – Terms of Reference). Das passt aber meist nur auf Superhelden. Eigentlich gebraucht werden Leute, die notfalls allein vor Ort mit sich selbst und den Partnerfachkräften zu Ergebnissen kommen. Wer mehrere Jahre im Ausland eingesetzt war, weiß, worauf es hier ankommt. Außerdem sollten Sie gut schreiben können, damit Ihre Berichte im Stil des Auftraggebers perfekt sind, also ohne lange Korrektur weiter gereicht werden können.

Consultants müssen somit zwei Welten unter einen Hut bekommen. Zuerst müssen sie aus Sicht des Auftraggebers dessen Leitmotive, Verfahren und den Jargon beherrschen. Dann müssen sie von den Partnern akzeptiert werden. Das erfordert neben exzellenten fachlichen auch persönliche und soziale Kompetenzen.

Viele Partnerfachkräfte in den Einsatzländern haben heute akademische Abschlüsse und ein hohes fachliches Niveau. Von Consultants wird daher oft ein Master-Abschluss erwartet. Meister- oder Technikerabschlüsse reichen normalerweise nicht mehr aus. Neben der akademischen Ausbildung geben fachliche und methodische Fortbildungen der Karriere die Richtung. Die GIZ fordert einen Grundkurs in Capacity WORKS. Für Evaluierungen werden Methoden äquivalent zu FEEZ verlangt. Planungs- und Managementmethoden sind je nach Auftraggeber verschieden und ändern sich in Feinheiten ständig.

Herausforderungen

Für einzelne Consultants ist das Geschäft schwer planbar. Aussichten auf Verträge sind ungewiss. Consultingfirmen reagieren manchmal erst nach einem Jahr auf Bewerbungen. Viele Anfragen zerschlagen sich. Die Auftragsvergabe kann sich bedeutend verzögern, Einsatzzeiten können sich in alle Richtungen verschieben. Oder ein Vertrag wird wegen politischer Krisen nichtig.

Es gibt meist mehr Aufgaben als beschrieben – im Gegenzug aber zu wenig bezahlte Tage. Um die Erstattung von Wochenenden und Reisetagen muss man immer öfter kämpfen und die Honorarsätze für Consultants in der EZ liegen deutlich unter dem Niveau anderer Branchen.

Es kann Jahre dauern, einen soliden Auftragsbestand aufzubauen. Ein finanzielles Polster am Anfang oder ein zweites Standbein sind daher ratsam. Partnerschaft und Familie sind hilfreich, werden aber auch auf die Probe gestellt.

Mehr als Tropenkrankheiten und Sicherheitsprobleme droht die Gefahr von Frustration und Burnout. Man muss unter schwierigen Bedingungen Ergebnisse liefern. Consultants brauchen daher ein gutes mentales Selbstmanagement und den kollegialen Austausch, sozusagen als Reflexions- und Selbsthilfegruppe.

Selbstvermarktung

Consultant sein beinhaltet eine Lebensweise, die auf einer wohl durchdachten Balance von Eigenständigkeit (Freiheit) und Abhängigkeit (von den Auftraggebern) beruht: Wichtig ist, sich dabei in erster Linie auf die eigenen Stärken zu verlassen; deshalb muss man diese auch genau kennen lernen.

Der Lebenslauf (CV) ist als Abbild der Kompetenzen und Erfahrungen das zentrale Dokument bei der Auftragsvergabe. Das für den Auftraggeber richtige Format des CV ist wichtig, weil viele Bewerbungen schnell verglichen werden müssen.

Eine eigene Website ist sinnvoll, wenn man dort genug Kompetenz darstellen kann. Die Pflege des berufsbezogenen Profils in sozialen Netzwerken wie LinkedIn, XING und devex bekommt eine hohe Bedeutung, weil Recruiter und Partner zunehmend den CV im Internet gegenchecken.

Die Arbeit am eigenen CV beschäftigt Consultants andauernd. Am Beginn der Karriere muss jedes Detail ausgeführt werden. Mit mehr Erfahrung streicht man eher einzelne Episoden heraus. Auf jeden Fall muss der CV in Inhalt und Jargon genau auf die ToR (Terms of Reference) passen. Erfahrene Consultants haben mehrere CV, die jeweils auf verschiedene Leistungsbereiche zugeschnitten sind.

Trends

Klassische Entwicklungshilfe gibt es nicht mehr. Wir haben es mit internationaler Zusammenarbeit für globale Agenden zu tun, die sich in naher Zukunft stark verändern müssen. Die Konkurrenz wird meines Erachtens wachsen. In vielen Einsatzländern können die Auftraggeber zunehmend auch lokale Kapazitäten einsetzen.

Die Auftragsvergabe wird zunehmend formaler und umkämpfter. Der Trend geht zu größeren Auftragswerten und Gutachterpools, die einzelne Freiberufler gar nicht anbieten können. Die beliebten Direktaufträge werden also Rahmenverträgen und Beratungspools mehr und mehr weichen. Aber nach wie vor sind persönliche Kontakte der Schlüssel zu Aufträgen.

Als Einzelgutachter suche ich immer den Kontakt mit anderen Fachleuten, weil ich die Vorteile des Netzwerkens über die Konkurrenz stelle. Über andere merke ich auch, wie ich im Markttrend stehe. Dabei ist mir in der Zusammenarbeit mit anderen sehr wichtig, dass gerechte und transparente interne Regeln formuliert und eingehalten werden.

Tipps zum Einstieg

Zu Beginn der Selbstständigkeit steht nicht selten die konkrete Aussicht auf einen Auftrag. Das ist ein guter Einstieg, reicht aber meist nicht für eine dauerhafte Existenz aus. Dazu braucht es unbedingt

  • Klare Ziele (kurz-, mittel-, langfristige) zur eigenen Zukunft, die einem selbst Halt geben und wichtige Laufbahn-Entscheidungen ermöglichen;
  • eine sorgfältige Wahl von zwei bis fünf starken, das heißt auf dem „Markt gut positionierten Kernkompetenzen;
  • den unbedingten Willen zur Umsetzung der eigenen „Geschäftsidee“.

Zum Start als Consultant ist es von Vorteil, sich während einer gewissen Zeit von erfahrenen Kolleg/innen begleiten, beraten oder coachen zu lassen. Manchmal ergibt sich auch die Möglichkeit, als „Juniorpartner/in“ in einem bestehenden Team erste Erfahrungen zu sammeln.

Für den Start in die Selbstständigkeit reichen oft ein Laptop, ein Mietbüro und ein Satz Visitenkarten aus. Die Registrierung beim Finanzamt als Freiberufler ist meist schnell erledigt. Ein Buchhaltungsservice ist meines Erachtens zu empfehlen. Nicht sparen sollte man an Fortbildung und sozialer Absicherung. Nutzen Sie die allgemeinen Beratungsangebote für freie Berufe.

Autor

Karsten Weitzenegger ist Diplom-Politologe und DIE-Absolvent. Er arbeitet seit zehn Jahren als freiberuflicher Consultant. Seine Webseiten unter www.weitzenegger.de werden zunehmend als Informationsquelle zum Thema internationale Zusammenarbeit genutzt.

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