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http://www.abendblatt.de/daten/2006/01/21/525531.html

Als Projektleiter ins Ausland

Entwicklungshilfe: Mangel an erfahrenen Bewerbern
Für Infrastruktur und mehr Demokratie: Berater um die 40 gesucht

Von Andrea Pawlik, erschienen im Hamburger Abendblatt vom 21. Januar 2006

''Die Entwicklungs­-
zusammen­arbeit ist ein wichtiger Zukunftsmarkt'', sagt Dr. Johannes Lagemann, Vorstandsmitglied des deutschen Ingenieurverbands VUBIC, in dem rund 350, vorwiegend international tätige Unternehmen organisiert sind. ''Die Arbeit ist da, Engpaß ist das Personal'', erklärt der Verbandsvertreter und Geschäftsführer der Hamburger GFA Consulting Group, die jährlich zwischen 500 und 800 Jobprofile mit Bewerbern abgleicht.

Mangelndes Interesse ist es nicht, das die Personalsuche erschwert. ''Viele Bewerbungen passen nicht zu den Ausschreibungen'', hat Karsten Weitzenegger festgestellt. Der Hamburger ist entwicklungspolitischer Gutachter und gehört zur Arbeitsgemeinschaft AGEG. Die Anforderungen an Bewerber sind hoch: Außer Fachwissen werden IT-und Sprachkenntnisse sowie Auslands- und Berufserfahrung vorausgesetzt - letztere manchmal drei bis vier Jahre, mitunter bis zu 15. Charakterstärke und interkulturelle Kompetenz gehören ebenfalls zu den Kriterien.

Handwerker haben inzwischen schlechte Chancen. ''Wir suchen keine Brunnenbohrer, heute wird eine Hochschulausbildung verlangt'', erklärt Weitzenegger. Das bestätigt auch Ulrich Heise, Gruppenleiter Nachwuchsförderung bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ): ''Für die GTZ, aber auch für die anderen Organisationen gilt, daß fast nur noch Akademiker gesucht werden.'' Hintergrund sei das Prinzip des geringsten Eingriffs. ''Für alle Aufgaben, die von Menschen in den Partnerländern erfüllt werden können, müssen wir niemanden hinschicken.'' Laut Johannes Lagemann sind heute vorwiegend Teamleiter für multi-disziplinäre Teams und Politikberater gefragt. Welcher Profession die Entwicklungshelfer entstammen, entscheidet dagegen nicht über ihre Einsetzbarkeit. ''Die studierte Fachrichtung ist egal - außer bei Philologen. Die kann man nicht gut unterbringen'', erklärt Gutachter Weitzenegger.

Projekte, in denen Entwicklungshelfer eingesetzt werden, reichen von Armutsbekämpfung über Demokratieförderung bis zur städtischen Wasserversorgung. Eingebunden in inter­nationale Abkommen legt die Bundesregierung die Marschroute fest. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gibt vor, wo und für welches Projekt wieviel Geld eingesetzt wird. Insgesamt stehen knapp 0,3 Prozent des Bruttosozialprodukts zur Verfügung, Tendenz steigend. Das BMZ finanziert damit Projekte, die von sogenannten Durchführungsorganisationen wie der GTZ, dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) umgesetzt werden. Rund 300 deutsche Consultingunternehmen betreuen ebenfalls Projekte, im Auftrag etwa von Europäischer Union, GTZ, Afrikanischer oder Asiatischer Entwicklungsbank.

''Wir suchen vor allem ,ökonomisch angehauchte' Mitarbeiter'', sagt Johannes Lagemann, ''aus den Bereichen Betriebs- und Volkswirtschaft, Agrar- und Gesundheitsökonomie.'' Gern mit technischer Grundausbildung, fügt er hinzu. Karl Dotter, Regionalbereichsleiter bei der auf Infrastruktur, vor allem Wasser- und Abwasserwirtschaft, spezialisierten GKW Consult in Mannheim, koordiniert das Engagement seines Unternehmens in der Sahel-Zone. Auch er sucht erfahrene Mitarbeiter, möglichst zweisprachig, natürlich mit profundem Fachwissen. ''Diese Leute sind sehr rar'', sagt Dotter. Sein Problem: ''Wir können junge Ingenieure ohne Erfahrung nicht unterbringen.'' Denn in den Projekt-Ausschreibungen kann man mit ihnen nicht punkten. Je mehr Erfahrung das Personal mitbringt, desto höher die Punktzahl im Vergabeverfahren - und desto größer die Chance, das Projekt zu gewinnen. Auch die 50 bis 100 Expertenpositionen, die die GTZ jährlich besetzt - ''und das nicht immer leicht'', sagt Ulrich Heise -, erfordern Auslands- und Managementerfahrung. ''Darum liegt das Durchschnittsalter unserer Berater auch bei 48 Jahren.''

Gerade deswegen braucht die Branche Nachwuchs und investiert in Ausbildung. Consultingunternehmen bieten ebenso wie die KfW Traineestellen an, die GTZ bildet Einsteiger zu Projektassistenten aus, beim DED gibt es ein Förderprogramm. ''Auch die Absolventen zweier gut positionierter Postgraduiertenprogramme werden meist übernommen'', sagt Karsten Weitzenegger - die des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und des Seminars für ländliche Entwicklung (SLE) der Berliner Uni. Die Gemeinschaft der Gutachter AGEG hat mit ''promic'' ebenfalls ein Trainingsprogramm auf den Weg gebracht.

Doch auch wenn zahlreiche Jobs auf hochqualifizierte Bewerber warten - die Entscheidung für diesen Weg sollte man sich nicht leicht machen. Daß Entwicklungshilfe kein Job wie andere ist, sondern ein Lebensweg, zeigt unter anderem die Altersstruktur der rund 20 000 im Ausland tätigen deutschen Experten. Junge Leute und ''alte Hasen'' gibt es reichlich. ''Es fehlt im Mittelbau, bei den um die 40jährigen'', erklärt Karsten Weitzenegger. ''Vielleicht geht es nach zehn Jahren gerade noch, aber später kann man nicht mehr zurück'', sagt Karl Dotter, der seit 32 Jahren immer wieder im Auslandseinsatz ist. ''In Deutschland wird es einem dann einfach zu eng.''

Hier finden Sie Jobangebote und Informationen online Auf folgenden Internetseiten (Auswahl) finden Sie weitere Info über Entwicklungs­-
zusammen­arbeit und zahlreiche Jobangebote:

http://www.abendblatt.de/daten/2006/01/21/525534.html
Bundesregierung
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), www.bmz.de.
Organisationen für Entwicklungsprojekte
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), www.gtz.de; Kreditanstalt für Wiederaufbau, www.kfw.de; Deutscher Entwicklungsdienst (DED), www.ded.de; Internationale Weiterbildung und Entwicklung (Inwent), www.inwent.org; Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), www.deginvest.de
Verbände
Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitischer Gutachter (AGEG), www.ageg.de; Verband unabhängig beratender Ingenieure und Consultants (VUBIC), www.vubic.de.
Weiterbildung
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE), www.die-gdi.de; Seminar für ländliche Entwicklung (SLE), www.agrar.hu-berlin.de/sle; Promic-Training, www.promic-training.com.
Überblicksinformationen
Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee, www.entwicklungsdienst.de; Homepage des entwicklungspolitischen Gutachters Karsten Weitzenegger mit zahlreichen Links: www.weitzenegger.de.


  Web www.weitzenegger.de

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