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26.5.2006 Ratgeber / Karriere International / Arbeiten im Ausland

Consulting der anderen Art

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Weg vom Kleinprojekt, hin zur Regierungsberatung - die Entwicklungszusammenarbeit befindet sich im Wandel. Akademiker und Spezialisten finden hier ein herausforderndes Tätigkeitsfeld. Doch das Engagement im Ausland ist meist nicht von Dauer.  [08.08.2005]




In der Entwicklungszusammenarbeit geht es darum, den Lebensstandard der Bevölkerung in ärmeren Ländern zu verbessern. Das reicht von der Infrastruktur über Ausbildungsmöglichkeiten bis hin zu Demokratieförderung. Dafür engagieren sich die Industrienationen in multilateralen Projekten - im technischen, medizinischen, finanziellen oder personellen Bereich.

In Deutschland sind rund 50 Arbeitgeber in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Hinzu kommen einige inter­nationale Organisationen. Gefragt sind Akademiker. Für Einsteiger gelten die Jobchancen als durchschnittlich, für Spezialisten als gut.

Trend hin zur politischen Beratung

"Es gibt einen Trend zur politischen Beratung, weg von Kleinprojekten", erklärt Ulrich Heise, Gruppenleiter Nachwuchsförderung bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn. Seine Kollegen im Ausland engagieren sich vor allem in Afrika, in Nahem Osten und Mittelmeerraum sowie in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Ihr Schwerpunkt: "good gouvernance". Dazu gehören Themen wie Aufbau der Demokratie, Achtung der Menschenrechte, Korruptionsabbau.

"Wir verstehen uns als einfühlsame Berater, Manager und Vermittler", sagt Heise. "Unsere Aufgabe ist es, die Institutionen vor Ort in der Umsetzung ihrer Projekte zu unterstützen." Soft Skills spielen dabei eine große Rolle. Schließlich müssen die verschiedensten Ebenen beraten werden - vom Vertreter des Ministeriums, über den Bürgermeister bis zum Bauern.

Vorwiegend Akademiker gesucht

"Für die GTZ aber auch für die anderen Organisationen gilt, dass fast nur noch Akademiker gesucht werden", betont Ulrich Heise. Hintergrund ist das so genannte Prinzip des geringsten Eingriffs. "Für alle Aufgaben, die von Menschen in den Partnerländern erfüllt werden können, müssen wir niemanden hinschicken."

Gerade im handwerklichen Bereich sei vor Ort inzwischen eine Menge Know-how vorhanden. "Darum sind die Anforderungen an die ausländischen Experten höher geworden", erklärt Heise. Vor allem Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaftler sind für die GTZ interessant. Aber auch Absolventen anderer Studiengänge kommen zum Zuge, je nach Ausschreibung, zum Beispiel Pädagogen, Geografen, Umwelttechniker, Juristen, Mediziner oder Agrarökonomen.

"Seniorität ist bei uns von Vorteil"

"50 bis 100 Expertenpositionen sind pro Jahr zu besetzen", sagt Ulrich Heise. Und das nicht immer leicht. Als Voraussetzung wünscht sich die GTZ von diesen Beratern gute Fremdsprachenkenntnisse, mehrjährige Auslandserfahrung und Vertrautheit mit Aufgaben des Managements. "Seniorität ist bei uns von Vorteil", betont Heise, "darum liegt das Durchschnittsalter unserer Berater auch bei 48 Jahren."

Für Hochschulabsolventen ohne Berufserfahrung kommen bei der GTZ der Direkteinstieg in eine Juniorposition oder der Start im Projektassistentenprogramm infrage. In beiden Bereichen sind jährlich rund 20 Stellen zu besetzen. Wer bereits Auslandserfahrung mitbringt und eine oder mehr Weltsprachen spricht belegt meist einen vorderen Platz im Auswahlverfahren.

KfW: Finanzielle Zusammenarbeit

Neben der GTZ zählen noch der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) in Bonn und die KfW Entwicklungsbank, Frankfurt, zu den großen Arbeitgebern in der Entwicklungszusammenarbeit. "Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sind die passenden Studiengänge für uns", sagt Pia Puljanic, zuständig für das strategische Marketing der KfW. Auch dort besteht die Möglichkeit, als Absolvent über ein Traineeprogramm einzusteigen oder als Berufserfahrener direkt als technischer Sachverständiger. "Die Sachverständigen sind zum Beispiel dafür zuständig, vor Ort Projekte für uns zu prüfen."

Das Gros der neuen Mitarbeiter kommt allerdings als Trainee ins Unternehmen und lernt erst einmal alle KfW-Bereich kennen, die mit der Kreditfinanzierung zu tun haben. "Wir begrüßen es, wenn die Bewerber fürs Traineeprogramm schon Praktika im Ausland absolviert haben - in Ländern, die eine Entwicklungszusammenarbeit mit der Bundesrepublik haben", betont Puljanic.

Vor allem sollte der Lebenslauf der Kandidaten erkennen lassen, dass sie sich schon im Studium in Richtung inter­nationale Zusammenarbeit bewegt haben. "Sehr gern gesehene Bewerber sind bei uns diejenigen, die sich über das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik weiterqualifiziert haben", sagt die KfW-Mitarbeiterin.

Weiterbildung für Entwicklungsarbeit

"In unserem Postgraduiertenprogramm bilden wir je 22 Personen aus", erklärt Marie-Luise Philipsenburg, Pressereferentin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn. Neun Monate dauert jeder Kurs, die Fortbildungen beginnen jeweils im September. Ziel ist, die Teilnehmer auf den Berufseinstieg in der deutschen oder inter­nationalen Entwicklungszusammenarbeit vorzubereiten.

Die Teilnehmer beschäftigen sich zunächst mit Theorie - zum Beispiel, welche Rahmenbedingungen für die Entwicklungszusammenarbeit gelten, welche staatlichen Akteure es gibt, und wie die inter­nationale Wirtschaft funktioniert. Für Praxiserfahrung sorgt im Anschluss eine dreimonatige Auslandsstation.

Vorwissen kommt gut an

"Bewerben können sich Hochschulabsolventen, die nach ihrem Abschluss noch nicht berufstätig waren und nicht älter als 30 Jahre sind", sagt Philipsenburg. Bevorzugt sind auch hier Absolventen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Voraussetzung sind sehr gute Englischkenntnisse sowie eine weitere UN-Sprache.

"Außerdem sollten sie sich schon während des Studiums mit dem Thema beschäftigt haben - je spezifischer, desto besser - und über Auslandserfahrung in einem Entwicklungsland verfügen", betont die Pressereferentin. Ausbildung und Auslandsstation sind für die Teilnehmer kostenlos. Ein Platz im Postgraduiertenprogramm des DIE ist allerdings nicht leicht zu bekommen: 300 bis 500 Bewerbungen gehen dort jährlich ein.

Das Entwicklungsministerium spricht ein Wörtchen mit

"Unsere Absolventen arbeiten in den staatlichen Entwicklungsorganisationen", sagt Philipsenburg. "Beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei GTZ, KfW, in politischen Stiftungen, bei den Vereinten Nationen ..." In der staatlichen Arbeit seien ihre Postgraduierten sehr hoch angesehen. "Wir bringen sie in der Regel nach dem Abschluss alle gut unter." Gerade mit dem Entwicklungsministerium (BMZ) sei die Zusammenarbeit sehr eng, betont Philipsenburg. "Seine Vertreter sind auch am Auswahlprozess für unsere Ausbildung beteiligt."

Zurzeit hat das BMZ allerdings keine offenen Stellen. Aufs Jahr gesehen sind es dort fünf bis 20 Angebote. Im Ministerium können verschiedene Laufbahnen eingeschlagen werden: höherer, gehobener, mittlerer und einfacher Dienst. Möglichkeiten bestehen sowohl für Hochschulabsolventen von Uni und FH als auch für Verwaltungsfachangestellte bis hin zu Interessenten mit absolvierter Lehre, zum Beispiel im technischen Bereich. Ausschreibungen des BMZ finden Interessenten - ebenso wie die Offerten der anderen hier genannten Organisationen - auf ihren jeweiligen Internetseiten.

Weiterbildung für "grünen Bereich"

Ähnlich wie das DIE bietet auch das Seminar für ländliche Entwicklung (SLE) an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ein Postgraduiertenprogramm an. Dafür kommen Diplomanden und Masterabsolventen infrage. 20 von rund 250 Bewerbern schaffen es pro Jahr, einen der begehrten Plätze zu ergattern. "50 Prozent der Teilnehmer kommen aus dem grünen Bereich, haben zum Beispiel Biologie oder Geografie studiert, die andere Hälfte ist interdisziplinär", sagt Anne Schieborn, beim SLE unter anderem zuständig für die Bewerberauswahl.

Die Ausbildung dauert ein Jahr, auch hier gehört ein dreimonatiges Praktikum im Entwicklungsland dazu. Im Anschluss finden 90 Prozent der Absolventen problemlos einen Job. "Viele gehen in Entwicklungsprojekte ins Ausland, mit der GTZ, dem DED, der Welthungerhilfe oder Consultingfirmen", sagt Schieborn.

Deutscher Entwicklungsdienst sucht noch 150 Mitarbeiter

"Stellen im grünen Sektor sind bei uns am häufigsten ausgeschrieben", hebt Gottfried Wirtz hervor, Leiter des Referats Anwerbung und Auswahl beim DED. Für Projekte im Bereich Demokratieförderung sind aber auch Absolventen wie Kommunikationswissenschaftler, Politologen und Ethnologen interessant. Der Dienst engagiert sich ebenso in der Ländlichen Entwicklung wie in den Bereichen Gesundheit, Kommunalentwicklung oder Kommunikation und unterstützt einheimische Projekte.

"Aktuell haben wir 150 Stellen offen", sagt Wirtz. Etwa 30 bis 40 davon sind Angebote für Berufseinsteiger, die sich um einen Platz im Nachwuchsförderprogramm bewerben können. Für die anderen Jobs sind mindestens drei bis vier Jahre Berufserfahrung Voraussetzung.

Spezialkenntnisse erhöhen die Chancen

Wer besondere Qualifikationen zu bieten hat, kann damit seine Chancen erhöhen. Das kann im fachlichen Bereich wie auch im sprachlichen sein. "Zum Beispiel ist es schwierig, Mitarbeiter für Westafrika zu finden, weil sie französisch sprechen müssen", erklärt Wirtz - eine Fähigkeit, die nicht so viele Deutsche in Kombination mit den anderen relevanten Qualifikationen bieten können.

"17.000 Anfragen erhalten wir pro Jahr, davon laden wir 600 bis 700 zum Gespräch ein, etwa 300 werden schließlich von uns entsandt", sagt der Referatsleiter des DED. Der Dienst vergibt Zweijahresverträge, die auf bis zu sechs Jahre verlängert werden können. "Dann erwarten wir, dass die Leute sich wieder in Deutschland integrieren. Blieben sie länger im Ausland, könnte das eine längere Arbeitslosigkeit nach sich ziehen."

Der Weg zurück fällt manchmal schwer

"Die Reintegration kann schwierig sein", hat auch Ulrich Heise von der GTZ erfahren. Denn die vorherige Tätigkeit abseits der Wirtschaft, verbunden mit hoher Selbstbestimmung und unabhängigem Arbeiten, wecke bei einigen Arbeitgebern die Befürchtung, dass der Einstieg in die deutschen Hierarchien nicht reibungslos vonstatten gehe. Doch häufig seien die erfahrenen Auslandsmanager in der deutschen Wirtschaft gefragte Kandidaten.

"Die Anforderungsprofile von GTZ und großen Unternehmen sind oft identisch, was die sozialen und interkulturellen Kompetenzen, Führungsqualitäten und Stressresistenz angeht." Besonders interessant würden ehemalige Mitarbeiter der Entwicklungszusammenarbeit, wenn sie in so genannten Ankerländern, also Ländern, die aufgrund ihres wirtschaftlichen und politischen Gewichts in ihrer Region auch global eine Rolle spielen. Ausnahmen: Ingenieure und Landwirtschaftsexperten, die beide im Entwicklungsland unter von Deutschland ganz unterschiedlichen Gegebenheiten arbeiten müssen.

"Für Wirtschaftswissenschaftler können ein paar Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit hingegen einen richtigen Karriereschub darstellen", sagt Ulrich Heise. Sein Rat: zweigleisig fahren. "Man sollte immer auch seine beruflichen Perspektiven in Deutschland mitberücksichtigen. Denn Entwicklungszusammenarbeit macht man nicht von der Ausbildung bis zur Rente."

Was kann man verdienen?

Die Verdienstmöglichkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit sind so unterschiedlich wie die Arbeitgeber. Bei der GTZ erhalten Projektassistenten 2400 Euro, im Ausland oft steuerfrei ausgezahlt. Die Experten verdienen zwischen 3000 und 7500 Euro. "Damit sind wir der beste Zahler in der deutschen Entwicklungsarbeit", betont Ulrich Heise. Der DED zahlt seinen Entsendeten weniger, dafür erhalten mitreisende Familienmitglieder Unterhaltsgeld.

"Ein Mitarbeiter mit Partner und zwei Kindern kann so einen ähnlichen Betrag wie bei der GTZ erreichen", erläutert Gottfried Wirtz. Doch das Monetäre solle nicht die wichtigste Motivation sein, rät Ulrich Heise. "Man sollte die Entwicklungszusammenarbeit eher als berufliche Herausforderung sehen", sagt der Nachwuchsförderer. "Wir brauchen weder Abenteurer noch Sozialromantiker. Aber ohne einen gewissen Idealismus geht es auch nicht."

(Andrea Pawlik / Bild: dpa)





Weitere Informationen zur Entwicklungszusammenarbeit:


Links zu deutschen Akteuren

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
www.gtz.de 

KfW Entwicklungsbank
www.kfw-entwicklungsbank.de

Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)
www.die-gdi.de 

Seminar für ländliche Entwicklung (SLE)
www.agrar.hu-berlin.de/sle 

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
www.bmz.de 

Deutscher Entwicklungsdienst (DED)
www.ded.de 

Weitere Organisationen in der Entwicklungshilfe:

Vollständige Liste der deutschen Entsendeorganisationen
beim Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee e.V.
www.entwicklungsdienst.de 

Deutsche Welthungerhilfe
www.welthungerhilfe.de 

Links zu inter­nationalen Akteuren

Europäische Union
http://europa.eu.int/pol/dev/index_de.htm 

OECD
www.oecd.org 

Vereinte Nationen
www.uno.de 

Weltbank
www.worldbank.org