Was würde Zbigniew Brzeziński der EU heute raten?

Ein Gedankenexperiment: Der große Stratege als europäischer Denker


Zbigniew Brzeziński entstammte einer polnischen Adelsfamilie aus der Ukraine, wurde in Warschau geboren und prägte sein geopolitisches Weltbild durch die Erfahrung von Flucht, Verlust und einer bemerkenswerten Karriere in den USA. Doch was, wenn er seine Perspektive nicht vom amerikanischen Standpunkt aus entwickelt hätte, sondern als dauerhaft europäischer Denker formuliert? Ein solches Gedankenexperiment führt zu einem markanten Programm für die EU – eines, das seinen geopolitischen Realismus mit europäischer Eigenverantwortung verbindet.


Strategische Handlungsfähigkeit statt komfortabler Abhängigkeit

Brzeziński kritisierte Europa regelmäßig wegen seiner Passivität, Zersplitterung und Selbstgenügsamkeit. In Strategic Vision (2012) diagnostizierte er scharf: Die EU sei „zu reich, um für die Armen der Welt relevant zu sein; zu passiv in internationaler Sicherheit, um Amerika von schädlichen Alleingängen abzuhalten; und zu selbstgefällig, als könne sie bloß das komfortabelste Altenheim der Welt sein“.

Als europäischer Denker hätte er diese Diagnose in einen Imperativ verwandelt: Die EU müsse aufhören, sich auf den amerikanischen Sicherheitsschirm zu verlassen, und selbst glaubwürdige militärische und politische Instrumente schaffen – nicht als Konkurrenz zur NATO, sondern als komplementäre Fähigkeit, um auch dann handeln zu können, wenn Washington andere Prioritäten setzt.

Aus europäischer Sicht hieße das: Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen, europäische Rüstungskooperation vertiefen, eine echte europäische Krisenreaktionskapazität aufbauen und strategische Autonomie nicht als Slogan, sondern als operative Realität begreifen. Jüngste Analysen des Atlantic Council zeigen, dass Europa ohne die USA die Ostflanke derzeit nicht allein verteidigen könnte – eine Lage, die Brzeziński als untragbar empfunden hätte.

Ukraine als geopolitische Priorität

Brzeziński betonte zeit seines Lebens, dass Ukraine „der Dreh- und Angelpunkt auf dem eurasischen Schachbrett“ sei. In seinem Hauptwerk The Grand Chessboard schrieb er: „Ohne Ukraine kann Russland kein eurasisches Reich mehr sein.“ Diese Einsicht bleibt aktueller denn je.

Als Europäer würde er der EU raten, die Unterstützung der Ukraine nicht als Charity, sondern als strategische Investition zu begreifen: Ohne eine unabhängige Ukraine rückt Russland als potenziell revisionistische Macht direkt an die EU-Grenze. Eine erfolgreiche Ukraine schwächt nicht nur russische Hegemonialoptionen, sondern demonstriert, dass post-sowjetische Staaten einen europäischen Weg einschlagen können.

Die EU müsse daher langfristig militärisch, wirtschaftlich und diplomatisch liefern – und die Beitrittsperspektive für die Ukraine ernsthaft verfolgen, statt sie auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben. Brzeziński warnte, dass eine „Finlandisierung“ der Ukraine allenfalls ein taktisches Zugeständnis an Moskaus kurzfristige Stärke sein könne, aber kein stabiles Ziel.

Einheit statt Fragmentierung

Brzeziński sah in der Zersplitterung Europas die größte strukturelle Schwäche. Er würde der EU raten, den politischen Integrationsprozess wieder energisch voranzutreiben: gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik mit klaren Entscheidungsmechanismen, Überwindung nationaler Egoismen und eine deutliche Stimme in globalen Foren. Ein Europa, das in 27 Richtungen gleichzeitig spricht, verliert aus seiner Sicht jede geopolitische Relevanz.

Konkret hieße das: qualifizierte Mehrheitsentscheidungen in der Außenpolitik ermöglichen, den Europäischen Auswärtigen Dienst stärken und bei Krisen schneller gemeinsam handeln. Er würde betonen, dass die EU nur dann ein Gleichgewicht zur US-Dominanz und zu aufstrebenden Mächten wie China herstellen kann, wenn sie als Einheit auftritt.

Das transatlantische Bündnis neu justieren

Brzeziński war nie anti-amerikanisch, aber er erkannte die Asymmetrie der NATO klar: Europa blieb ein „Protektorat“, dessen Sicherheit de facto von Washington garantiert wurde. Als europäischer Denker würde er eine Neuaushandlung des transatlantischen Verhältnisses fordern – weg vom Hegemon-Vasallen-Modell hin zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe.

Das bedeutet: Die EU solle nicht auf amerikanische Führung warten, sondern eigene strategische Prioritäten formulieren und umsetzen. Die Bindung an die USA bleibt wichtig, aber Europa dürfe nicht darauf hoffen, dass Washington stets europäische Interessen priorisiert – besonders angesichts des wachsenden US-Fokus auf den Indo-Pazifik. Frankreichs Ruf nach strategischer Autonomie würde er daher als berechtigt, aber unzureichend umgesetzt kritisieren; Deutschland müsse gleichzeitig mehr Führungsverantwortung übernehmen.

China und Russland: Pragmatismus statt Ideologie

Brzeziński warnte zeitlebens davor, Russland und China in eine gemeinsame antiwestliche Front zu treiben. In einem Interview mit Politico plädierte er für eine „Pacific Charter“ – einen strategischen Dialog mit Peking, um globale Stabilität zu sichern.

Als Europäer würde er raten: Die EU sollte eine eigenständige China-Politik verfolgen, die wirtschaftliche Interessen mit strategischer Vorsicht verbindet, ohne sich blind an die amerikanische Konfrontationslinie anzuschließen. Gegenüber Russland sei nach dem Krieg in der Ukraine eine langfristige Eindämmung nötig, aber auch die Offenheit für eine spätere Reintegration, sollte sich Moskau politisch wandeln.

Kulturelle Attraktivität und demokratische Mission

Brzeziński betonte stets, dass Macht nicht nur militärisch, sondern auch kulturell und normativ fundiert sein müsse. Als Europäer würde er der EU raten, ihre eigene demokratische, rechtsstaatliche und soziale Identität selbstbewusster zu vertreten – nicht als Belehrung, sondern als Modell, das anderen Weltregionen echte Alternativen bietet. Der Rückzug ins Komfortable und die Vernachlässigung der eigenen globalen Rolle würden Europa langfristig marginalisieren.

Fazit: Zeit, erwachsen zu werden

Brzeziński hätte der EU also geraten, erwachsen zu werden: strategisch denken, handlungsfähig werden, eigene Interessen definieren und verteidigen – und dabei die transatlantische Bindung als wichtig, aber nicht als Ersatz für europäische Eigenverantwortung zu begreifen.

Die Botschaft ist unbequem, aber klar: Europa kann sich den Luxus der Passivität nicht mehr leisten. Die Welt wartet nicht, und wer auf dem eurasischen Schachbrett nicht selbst zieht, wird gezogen.

Weiterführende Lektüre:

Transparenz: Dieser Text wurde mit KI erstellt, die mir Brzeziński nur simuliert hat. Teil meiner Reihe KI-KO-KREATION.