Das Projekt ReACT4UA / EU4Business stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz ukrainischer Unternehmen im Kontext von Krieg, EU‑Beitrittsprozess und massiven Energiekrisen und wurde mit 87 von 100 Punkten insgesamt als erfolgreich bewertet. Die Evaluation zeigt, dass ein mehrstufiger Ansatz aus Politikberatung, lokaler Wirtschaftsförderung, Finanzinstrumenten und gezielter Unterstützung von KMU in Kriegszeiten kurzfristig hohe Stabilisierungseffekte erzeugt, aber auf strukturelle Schwächen der öffentlichen Institutionen und ein fragiles Beratungsökosystem trifft, die die Nachhaltigkeit gefährden. Besonders positiv bewertet werden die Kohärenz mit EU‑ und BMZ‑Strategien, die starke Donorkoordination und geschlechterdifferenzierte Zugänge; zentraler Reformbedarf besteht bei administrativer Entlastung, institutioneller Personalausstattung und der Einführung kostenbeteiligungsbasierter Modelle der Exportförderung. Für Politik und Geber eröffnet die Evaluation klare Ansatzpunkte: langfristige Kapazitätsstärkung im Wirtschaftsministerium, Förderung marktfähiger Beratungsstrukturen, integrierte Risikoabsicherungsinstrumente für KMU und systematisch vereinfachte Förderverfahren, um von reiner Krisenbewältigung zu nachhaltigem Wachstum und EU‑Marktintegration überzugehen.
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Kontext
Die Intervention setzt im Kontext des EU‑Assoziierungsabkommens und der vertieften und umfassenden Freihandelszone zwischen der EU und der Ukraine an und adressiert den wirtschaftlichen Strukturwandel hin zu EU‑Standards bei gleichzeitiger Bewältigung der Schockeffekte von COVID‑19 und der russischen Vollinvasion. Zwischen 2022 und 2024 brach das BIP der Ukraine um mehr als 30 Prozent ein, zentrale Sektoren wurden zerstört oder besetzt, und Angriffe auf die Energieinfrastruktur legten zeitweise mehr als die Hälfte der Stromerzeugungskapazität lahm, was Unternehmen durch Blackouts, unterbrochene Lieferketten und verschärfte Finanzrisiken massiv einschränkte. Parallel beschleunigte sich der EU‑Beitrittsprozess: Offizielle Beitrittsverhandlungen begannen im Juni 2024, wodurch Handels‑, Verbraucher‑ und Qualitätsregulierung sowie Exportförderung hohe politische Priorität erhielten. Der Krieg veränderte die gesellschaftliche Struktur tiefgreifend: Binnenvertreibung, regionale Umsiedlung von Unternehmen, erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen unter Mobilmachungsbedingungen und eine stärkere Doppelbelastung von Sorgearbeit und Unternehmertum prägen die Zielgruppenlandschaft.
Überblick über die Intervention
Das Projekt „Utilisation and implementation of the Association Agreement between the EU and Ukraine in the field of trade (ReACT4UA / EU4Business)“ zielt darauf, die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz ukrainischer Unternehmen im Hinblick auf den angestrebten EU‑Beitritt zu verbessern. Mit einem Volumen von rund 68,1 Millionen Euro, finanziert durch BMZ und kofinanziert durch EU und Norad, kombiniert das Vorhaben Politikberatung, Kapazitätsentwicklung, lokale Wirtschaftsförderung und direkte Unterstützung von KMU über Zuschüsse, Kreditsubventionen und Beratungsleistungen. Die Projektarchitektur ist mehrstufig angelegt: Auf Makroebene unterstützt sie das Wirtschaftsministerium bei Exportstrategie, EU‑Rechtsangleichung und technischen Handelsbarrieren; auf Mesoebene stärkt sie Business Intermediary Organisations, Cluster und kommunale Wirtschaftsförderung; auf Mikroebene adressiert sie KMU, insbesondere in kriegsbetroffenen Regionen, Frauenunternehmen und intern vertriebene Betriebe. Im Verlauf der russischen Invasion wurde die Intervention gezielt von einem primär wachstumsorientierten Ansatz zu einem Krisen‑ und Resilienzprogramm umgesteuert, unter anderem durch Schwerpunktsetzung auf Energieversorgungssicherheit, Liquiditätshilfen und Sicherung von Produktionskapazitäten.
Evidenz: Was funktioniert hat
Die Evaluation nach OECD‑DAC‑Kriterien attestiert der Intervention eine hohe Relevanz, sehr hohe Kohärenz sowie gute Werte bei Effektivität, Effizienz und Impact; Nachhaltigkeit wird als „eingeschränkt erfolgreich“ eingestuft. Das Projekt erreicht bei Relevanz 91 von 100 Punkten, bei Kohärenz 96, bei Effektivität 81, bei Impact 88 und bei Effizienz 86 Punkten; insgesamt erhält die Maßnahme 87 von 100 Punkten und wird damit als erfolgreich bewertet. Politisch ist die Maßnahme eng an SDGs, BMZ‑Leitlinien, feministische Entwicklungspolitik, EU‑Assoziierungsabkommen und nationale Strategien der Ukraine angepasst und adressiert sowohl EU‑Reformen als auch krisenbedingte Wiederaufbaubedarfe. In der Zielgruppenpassung überzeugt das Vorhaben durch maßgeschneiderte Zuschüsse, Beratung und Schulungen für kriegsbetroffene KMU, Frauenunternehmen, intern Vertriebene und lokale Verwaltungen, umgesetzt über konflikt‑sensible und digitalisierte Prozesse, die Transparenz und Vertrauensbildung fördern.
Wirkungen: Verifizierte Wirkungshypothesen und unerwartete Effekte
Die auf Contribution Analysis basierende Wirkungseinschätzung bestätigt zentrale Hypothesen zur Rolle lokaler Unterstützungsstrukturen, finanzieller Resilienzinstrumente und regulatorischer Reformen. Hypothese 4 zur Bedeutung lokaler Wirtschaftsunterstützungsstrukturen wird gestützt: Kommunale Grants, Innovationszentren und Business‑Hubs tragen nachweislich zur Aufrechterhaltung von Unternehmenstätigkeit und Beschäftigung bei, insbesondere in Pilotstädten. Hypothese 5 zur Verbesserung nationaler Regulierungen für EU‑Wettbewerbsfähigkeit bestätigt, dass technische Beratung und Kapazitätsaufbau im Wirtschaftsministerium die Funktionalität während EU‑Screenings sichern konnten, trotz politischer Verzögerungen im Parlament. Auf Unternehmensebene zeigen Vergleichsanalysen, dass geförderte KMU bessere Stabilitäts‑ und Beschäftigungsindikatoren aufweisen als nicht geförderte Vergleichsgruppen, was auf einen signifikanten Beitrag der Maßnahmen zur wirtschaftlichen Resilienz schließen lässt.
Zu den positiven unbeabsichtigten Wirkungen zählen eine gestärkte institutionelle Koordination, etwa durch die Rolle der GIZ als Sekretariat der SME Resilience Alliance, sowie ein Schub für umweltfreundlichere Produktion durch EU‑Annäherung und Energieeffizienzmaßnahmen. Auf sozialer Ebene verstärken sich Führungsrollen von Frauen in Unternehmen und Verwaltung; Projektelemente zu Leadership und gezielter Förderung von Frauenunternehmen wirkten dabei als Katalysatoren. Gleichzeitig werden negative Nebeneffekte sichtbar: Verzerrte Genderstatistiken durch strategische Eigentumsübertragungen, potenzielle Marktverzerrungen durch kostenlos bereitgestellte Beratungsleistungen und „Brain Drain“ aus Partnerinstitutionen in besser bezahlte Positionen. Insgesamt gelingt es der Intervention, positive Effekte zu konsolidieren und negative Wirkungen im Rahmen der Projektlogik zu mitigieren, ohne sie vollständig auszuschalten.
Evidenz: Was nicht funktioniert hat
Die Evaluation identifiziert Grenzen des Projekterfolgs insbesondere bei der strukturellen Verankerung, der Verwaltungsumgebung und der Marktentwicklung für Beratungsleistungen. Zwei wesentliche Zielindikatoren wurden nicht erreicht: Die wahrgenommene Verbesserung lokaler Wirtschaftsförderung blieb mit 64 Prozent unter dem Ziel von 75 Prozent, und auch die Einschätzung der regulatorischen Bedingungen für Handel mit der EU durch Unternehmen blieb hinter dem Zielwert zurück. Die Ursachen liegen in systemischen Restriktionen wie schwacher lokaler Governance, begrenzter Handlungsspielräume der Kommunen, überlasteten staatlichen Strukturen und einem engen Zeithorizont der Förderung. Auf Effizienzebene hemmen komplexe Verwaltungsverfahren, Verzögerungen bei Zahlungen durch GIZ und kommunale Kassen sowie kurze Laufzeiten der Grants die volle Wirkungsausschöpfung.
Strategisch problematisch ist die Gefahr einer dauerhaften Marktverzerrung: Kostenlose oder stark subventionierte Beratungsleistungen können lokale Business Support Organisations verdrängen und den Aufbau eines eigenständigen Beratungsmarkts erschweren. Die Evaluation verweist zudem auf eine kritische Abhängigkeit zentraler Institutionen von externer Finanzierung, die bei auslaufender Förderung zur Erosion erzielter Kapazitätsgewinne führen kann. Schließlich bleibt die strukturelle Risikolage durch Krieg, politische Unsicherheit und Energieangriffe außerhalb der Projekteinflusszone, schränkt aber die Realisierung langfristiger Wirkungen erheblich ein.
Perspektiven der Stakeholder
Die Evaluierung integriert Perspektiven von Ministerien, Kommunen, Unternehmensverbänden, internationalen und lokalen Partnerorganisationen sowie von Begünstigten, unter anderem über Interviews und Fokusgruppendiskussionen. Vertreterinnen und Vertreter der ukrainischen Regierung bewerten das Projekt als zentral für das wirtschaftliche Überleben und für die Aufrechterhaltung von Reformkapazitäten im Ausnahmezustand, betonen jedoch die strukturellen Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit aufgrund niedriger Gehälter und Personalknappheit. Kommunale Akteurinnen und Akteure sehen in den Grants, Hubs und Innovationszentren wichtige Hebel zur Stärkung lokaler Wirtschaftsökosysteme, beklagen jedoch Verzögerungen und bürokratische Hürden in der Abwicklung.
Unternehmen, inklusive von Frauen geführten Betrieben und intern vertriebenen Unternehmerinnen und Unternehmern, berichten von hoher Relevanz der Liquiditätszuschüsse, Energieinvestitionen und Exportberatung für das Überleben ihrer Betriebe und den Zugang zu EU‑Märkten. Gleichzeitig äußern sie Frustration über kurze Förderzeiträume, steigende Dokumentationsanforderungen und unsichere Planungsperspektiven. Internationale Partnerorganisationen wie UNDP, UNIDO oder Finanzinstitutionen betonen die Rolle des Projekts als Koordinationsplattform und Referenz für standardisierte, digitalisierte Förderprozesse, sehen aber Reformbedarf in Richtung stärkerer Kostenbeteiligung und nachhaltiger Finanzarchitekturen.
Gender und Schutzstandards (Safeguards)
Die Evaluation analysiert Geschlechterdimensionen systematisch und verweist auf eine deutliche Zunahme weiblicher Erwerbstätigkeit und Unternehmensführung infolge der Mobilmachung von Männern. Das Projekt reagiert darauf mit geschlechtssensibler Zielgruppenansprache, Mindestanteilen von Frauen in Förderlinien, spezifischen Programmen für Female‑led SMEs und Leadership‑Formaten, die Frauen in wirtschaftliche Schlüsselrollen bringen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die „double burden“ aus Erwerbs‑ und Sorgearbeit für Frauen bestehen bleibt und teilweise durch administrative Anforderungen an Förderprogramme verstärkt werden kann. Verzerrungen in Genderdaten, etwa durch formale Eigentumsübertragungen an männliche Familienmitglieder, werden als unerwünschter Nebeneffekt identifiziert und sollten in künftigen Programmen stärker antizipiert werden.
Hinsichtlich Schutzstandards und Konfliktsensibilität orientiert sich das Projekt an GIZ‑Instrumenten wie integrierten Kontext‑ und Menschenrechtsanalysen und Peace‑and‑Conflict‑Assessment. Die Nutzung staatlicher Systeme, die Ausrichtung an nationalen Prioritäten, transparente digitale Verfahren und die bewusste Vermeidung regionaler Ungleichgewichte tragen dazu bei, Konfliktlinien nicht zu verschärfen. Die Evaluation konstatiert jedoch, dass militärische Risiken, regionale Ungleichheiten und politische Blockaden strukturelle Spannungen erzeugen, die sich nicht allein auf Projektebene entschärfen lassen und deren Monitoring und Risikomanagement kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.
Methodische Hinweise
Die Evaluierung nutzt ein theoriegestütztes Design mit starker Ausrichtung auf Contribution Analysis, um die Plausibilität der Projektbeiträge zu höheren Wirkungszielen nachzuzeichnen. Grundlage ist ein gemeinsam zwischen Projekt‑ und Evaluierungsteam erarbeitetes Wirkungsmodell, das Outputs, Outcomes, Projektziel und Beitrag zu programmatischen und SDG‑Indikatoren systematisch verknüpft. Datengrundlagen sind Projektberichte, Monitoringdaten, externe Studien, kontrafaktische Analysen zu geförderten und nicht geförderten Unternehmen, qualitative Interviews und Fokusgruppendiskussionen.
Wesentliche Limitationen ergeben sich aus Kriegsbedingungen: Erschwerte Feldforschung, unvollständige Baselines, Umsteuerung von Zielen und Indikatoren sowie eingeschränkte Vergleichbarkeit mit der Vorkriegssituation limitieren die sichere Attribution und erfordern vorsichtige Interpretation der Ergebnisse. Die Evaluation begegnet diesen Grenzen durch Triangulation, Nutzung externer Datenquellen und explizite Reflexion von Annahmen und Systemgrenzen des Projekts.
Wichtige Datenpunkte und Indikatoren
Die Evaluation berichtet eine Reihe quantitativer Kernindikatoren, die zentrale Effekte im Bereich Regulierung, Unternehmensentwicklung und lokaler Wirtschaftsförderung erfassen.
| Indikator (Auswahl) | Zielerreichung | Aussage für Politikgestaltung |
| Sechs handelsbezogene Reformen im Rahmen AA/DCFTA eingereicht | 100 Prozent (117 Prozent) erreicht | Hohe Reformdynamik trotz Krieg, wichtige Grundlage für EU‑Marktzugang |
| Anteil Unternehmen in Clusterinitiativen, die EU‑Handelsbedingungen positiv bewerten | 65 Prozent, Ziel 60 Prozent überschritten, aber nicht in allen Dimensionen stabil | Wahrnehmung der Rahmenbedingungen verbessert sich, strukturelle Defizite bleiben |
| Zahl unterstützter Unternehmen mit stabilisiertem Geschäft nach Förderung | 100 Prozent des Zielwertes; 1 309 von 1 875 geförderten Unternehmen bestätigen Stabilisierung | Deutliche Stabilisierungseffekte durch Grants und Beratung, besonders in Krisenkontexten |
| Wahrgenommene Verbesserung lokaler Wirtschaftsförderung | 64 Prozent, Ziel 75 Prozent verfehlt | Fortschritte auf lokaler Ebene, aber begrenzter Durchgriff auf Verwaltungsreformen |
| Gesamtbewertung nach DAC‑Kriterien | 87 / 100 Punkte, „erfolgreich“ | Interventionslogik überwiegend tragfähig, Anpassungsfähigkeit hoch |
Diese Indikatoren verdeutlichen die Spannweite der Ergebnisse: Während auf Unternehmens‑ und Reformebene signifikante Fortschritte erzielt werden, bleibt die institutionelle und lokale Ebene hinter den Ambitionen zurück.
Erkenntnisse (Lessons Learned)
Eine zentrale Lehre lautet, dass hohe Managementagilität und flexible Finanzierungsinstrumente im Kriegsumfeld kurzfristig sehr wirksam sind, aber strukturelle Defizite von Institutionen nicht kompensieren können. ReACT4UA zeigt, dass die Kombination aus Grants, Kreditsubventionen und spezieller Beratung erhebliche Stabilisierungseffekte für KMU entfaltet, insbesondere wenn sie mit energiebezogenen Investitionen und Exportförderung gekoppelt werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass übermäßige Gratisangebote im Beratungssektor langfristig kontraproduktiv sein können, da sie lokale Anbieterinnen und Anbieter verdrängen und marktbasierte Lösungen schwächen.
Kontextfaktoren wie Krieg, Energiekrise und EU‑Beitrittsdynamik erweisen sich als doppelschneidig: Sie erhöhen die Dringlichkeit und politische Aufmerksamkeit, verschärfen aber administrative Überforderung, Personalknappheit und institutionelle Fragilität. Aus Sicht der Evaluierung ist es entscheidend, Kriseninterventionen frühzeitig mit Strategien zu institutioneller Verstetigung, Kostenbeteiligung und marktorientierter Dienstleistungsentwicklung zu verknüpfen. Gendertransformative Ansätze entfalten besondere Wirkung, wenn sie nicht nur Zugang zu Ressourcen sichern, sondern auch strukturelle Führungsrollen von Frauen stärken und Care‑Lasten berücksichtigen.
Potenzial für Skalierung und Übertragbarkeit
Die Intervention verfügt über deutliche Skalierungspotenziale, insbesondere in Bezug auf standardisierte, digitalisierte Förderprozesse, integrierte Finanz‑ und Beratungsinstrumente sowie die Verbindung von EU‑Rechtsangleichung mit konkreten Dienstleistungen für Unternehmen. Die Evaluation zeigt, dass Elemente wie Kleinstzuschüsse, Kreditgarantien, Energieinvestitionen und Exportberatung in anderen Krisen‑ und Transformationskontexten übertragbar sind, sofern sie an lokale Institutionen, Rechtssysteme und Marktstrukturen angepasst werden. Gleichzeitig betont der Bericht, dass horizontale Skalierung ohne flankierende institutionelle Reformen riskant ist: Ohne gestärkte Ministerien, nachhaltige BSO‑Finanzierung und angemessene Personalausstattung droht die Überforderung des Systems.
Vertikale Skalierung – etwa die Überführung einzelner Ansätze in nationale Programme oder EU‑Instrumente – erfordert klare Ko‑Finanzierungsmodelle, abgestimmte Governance‑Strukturen und Verzicht auf parallele Förderarchitekturen. Die Einbettung der Nachfolgeintervention STEP IN 2 EU in den EU‑Beitrittsprozess eröffnet Chancen für politische Verbindlichkeit; zugleich ist eine sorgfältige Abstimmung mit anderen Gebern, ukrainischen Strategien und marktbasierten Finanzierungsmechanismen nötig.
Politik- und Programmempfehlungen
Die Evaluation leitet eine Reihe konkreter Empfehlungen für Politik, Geber und Durchführungsorganisationen ab, die sich in vier strategische Linien bündeln lassen.
Erstens sollten politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Geber die institutionelle Kapazität des Wirtschaftsministeriums und anderer Schlüsselstellen priorisiert stärken, unter anderem durch längerfristig eingebettete externe Fachkräfte in zentralen Einheiten wie Verbraucherschutz und EU‑Rechtsangleichung. Damit lässt sich der chronische Mangel an qualifiziertem Personal, bedingt durch niedrige Gehälter und hohe Fluktuation, gezielt adressieren und die Umsetzungskraft im EU‑Beitrittsprozess sichern.
Zweitens empfiehlt die Evaluation die Reform öffentlicher Exportförderung und Business‑Support‑Organisationen in Richtung verpflichtender Ko‑Finanzierungsmodelle, um Marktverzerrungen durch Gratisleistungen zu vermeiden und ein tragfähiges Beratungsökosystem zu etablieren. Hier sollten BMZ, EU und norwegische Partner die Ausgestaltung von Kostenbeteiligungsmodellen, etwa gestaffelte Gebühren, Matching‑Funds oder Abo‑Modelle, gezielt unterstützen.
Drittens wird ein Übergang von reiner Zuschusslogik zu integrierten Risikoabsicherungs‑ und Finanzierungsmechanismen empfohlen, etwa durch Förderung von Kriegsrisikoversicherungen, Exportgarantien und Kreditabsicherungen in Kombination mit hochspezialisierter Beratung zu EU‑Regelwerken, Zertifizierungen und Markteintritt. Programme sollten kohortenbasiert über zwei bis fünf Jahre angelegt sein, um Wachstumspotenziale systematisch zu entwickeln und Unternehmen über mehrere Investitionszyklen zu begleiten.
Viertens plädiert die Evaluation für eine tiefgreifende Vereinfachung der Verwaltungsprozesse, insbesondere für Kleinstzuschüsse, sowie für die Standardisierung von Direktzahlungen an Auftragnehmende bei Infrastrukturinvestitionen nach dem NEFCO‑Modell, um Engpässe im kommunalen Kassensystem zu umgehen. Kommunikationsstrategien sollen konsequent auf digitale nationale Plattformen wie das Diia‑Business‑Portal ausgerichtet werden, um Transparenz und Reichweite zu erhöhen und gleichzeitig inaktive formale Verbandsstrukturen schrittweise zu ersetzen.
Weiterführende Ressourcen und Links
Die Evaluation verweist auf eine Reihe relevanter Organisationen, Projekte und Wissensquellen, die für vertiefende Recherchen genutzt werden können.
Zu den durchführenden Organisationen zählen die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH als leitende Durchführungsorganisation sowie das ukrainische Wirtschaftsministerium als politischer Hauptpartner. Finanzierungs‑ und Ko‑Finanzierungspartner sind das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Europäische Union (u. a. EU4Business) und die Norwegian Agency for Development Cooperation (Norad). Als beratende Unternehmen und Evaluatorinnen und Evaluatoren werden unter anderem Combeo Consult GmbH (Evaluation), Civitta, Info Sapiens, IfM Mannheim, GBRW und enpact e. V. genannt, die Studien zu Resilienz, Finanzsystem, Exportpotenzialen und Gender vorgelegt haben.
Verwandte Projekte und Wissensplattformen umfassen die Nachfolgeintervention STEP IN 2 EU, das EU4Business‑Programm, den Ukraine War Economy Tracker des Centre for Economic Strategy, Studien zur Resilienz von KMU sowie das Ukraine‑Portal des BMZ und die EU‑Erweiterungsberichte zur Ukraine. Diese Quellen bieten zusätzliche Daten zu Makrotrends, Reformagenda und sektoralen Potenzialen und sind für politische Analysen und Programmdesigns in der Ukraine von unmittelbarer Relevanz.
Zitierweise des Berichts
Weitzenegger, Karsten, and Iryna Nehrieieva. Central project evaluation – Utilisation and implementation of the Association Agreement between the EU and Ukraine in the field of trade. Evaluation Report, Published by Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Bonn: GIZ, 2026. giz-2026-0934en-utilisation-and-implementation-of-the-trade-association-agreement-ukraine.pdf. Accessed 20 May 2026.
Transparenzhinweis: Der Autor war an der besprochenen Studie selbst beteiligt. Der vorliegende Beitrag spiegelt allein die Auffassung des Autors wider und kann keiner genannten Organisation zugeordnet werden. Bei der Erstellung von Text und Bild kam unterstützend künstliche Intelligenz zum Einsatz. Irren ist menschlich. Wer faktische Fehler findet, darf sie durch eine Nachricht an uns prüfen lassen.