Multilaterale Partnerschaften auf dem Prüfstand: Was niederländische Kernfinanzierung wirklich bewirkt

Die regelmäßige Berichterstattung des niederländischen IOB (BHOS-Artikel 5.1, Oktober 2025) untersucht die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit ungebundener niederländischer Beiträge an vier multilaterale Organisationen (AfDB, AsDB, UNICEF und UNDP) im Zeitraum von 2017 bis 2023. Die Synthese aus 85 Evaluierungen zeigt, dass die multilaterale Zusammenarbeit überwiegend wirksam und effizient war, insbesondere bei der Bekämpfung extremer Armut, beim Klimaschutz und bei der Stärkung der Weltwirtschaft, während bei der Klimaanpassung, bei Migration und bei guter Regierungsführung deutliche Defizite bestehen.

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Kontext

Die untersuchte Intervention betrifft unbezweckte, das heißt weder thematisch noch geografisch gebundene Beiträge der Niederlande an regionale Entwicklungsbanken und VN-Organisationen im Rahmen des BHOS-Haushaltsartikels 5.1 (Buitenlandse Handel en Ontwikkelingssamenwerking – Foreign Trade and Development Cooperation). Zwischen 2017 und 2023 wurden insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro bereitgestellt, was etwa 5,1 Prozent des BHOS-Gesamthaushalts entsprach, wobei 81 Prozent dieser Mittel an die vier untersuchten Organisationen flossen. Geografisch reicht der Wirkungsbereich über Afrika und Asien bis in fragile und von Krisen betroffene Kontexte weltweit, während zu den Zielgruppen sowohl schwächere Regierungen und Unternehmen als auch unmittelbar Begünstigte wie Kinder, Frauen und von Konflikten betroffene Bevölkerungsgruppen zählen. Die strategische Relevanz ergibt sich aus der entwicklungspolitischen Herausforderung, globale Probleme wie extreme Armut, irreguläre Migration, Klimawandel und wirtschaftliche Instabilität zu bewältigen, die einzelstaatlich kaum lösbar sind.

Überblick über die Intervention

Die zugrunde liegende Politiktheorie ging davon aus, dass multilaterale Organisationen dank Skaleneffekten, Fachwissen, globaler Legitimität und der Fähigkeit zur Mobilisierung zusätzlicher Mittel wirksamer und effizienter agieren können als bilaterale Kanäle. Kernkomponente war die Bereitstellung ungezweckter Kernfinanzierung, die den Organisationen erlaubt, eigene Prioritäten zu setzen, langfristige Strategien zu entwickeln und in Krisensituationen rasch zu handeln. Die Beiträge wurden überwiegend mehrjährig festgelegt, was ein besonderes Merkmal der niederländischen Herangehensweise darstellt, da viele andere Geberländer nur jährlich Zusagen machen. Regionale Entwicklungsbanken erhielten mit 43 Prozent den größten Anteil, gefolgt von den VN-Organisationen mit 40 Prozent, wobei die AfDB allein 38 Prozent aller Mittel unter Artikel 5.1 erhielt.

Evidenz: Was funktioniert hat

Die Evaluierung bestätigt eine überwiegend positive Wirksamkeit bei der Erreichung von vier der fünf BHOS-Ziele, insbesondere bei der Bekämpfung extremer Armut, bei der Bewältigung struktureller Armuts- und Migrationsursachen, bei der Klimaminderung und bei der Stärkung einer widerstandsfähigen Weltwirtschaft. Auf der Output-Ebene erreichten Organisationen wie UNICEF beeindruckende Ergebnisse, etwa die Versorgung von 7,3 Millionen Kindern mit lebensrettenden Ernährungsbehandlungen im Jahr 2022 sowie die Bereitstellung von Impfungen für rund 45 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren weltweit. Auf der Outcome-Ebene erwiesen sich die regionalen Entwicklungsbanken AfDB und AsDB als wirksam beim Aufbau großflächiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Wasser und Verkehr, während sich UNDP und UNICEF in Krisensituationen durch Neutralität, Fachwissen und Krisenbereitschaft auszeichneten.

Langfristig trug die ungebundene Finanzierung zur Erhöhung von Flexibilität, Krisenbereitschaft und Hebelwirkung bei, wobei die Entwicklungsbanken durch mehrjährige Kernmittel ein Vielfaches an privatem Kapital mobilisieren konnten. Besonders profitierten Bevölkerungsgruppen in fragilen und krisenbetroffenen Regionen, etwa durch die Wiederaufbauleistungen von UNDP, von denen 2023 rund 13,8 Millionen Menschen durch wiederhergestellte Infrastruktur profitierten. Als unerwartete positive Wirkung zeigte sich während der Coronapandemie, dass die Flexibilität ungebundener Mittel den Organisationen erlaubte, rasch auf Gesundheitsnotstände zu reagieren, während sich als unerwartete negative Wirkung ein Risiko der Fragmentierung durch eine mögliche unnötige Ausweitung von Aktivitäten außerhalb des Kernmandats zeigte.

Evidenz: Was nicht funktioniert hat

Die unterstützten Organisationen zeigten eine begrenzte Wirksamkeit bei der Klimaanpassung und der Migrationsbekämpfung, was teilweise auf das Fehlen eines klaren Mandats und auf mangelndes thematisches Fachwissen zurückzuführen ist. Die Entwicklungsbanken erwiesen sich außerdem als nur begrenzt wirksam bei der Förderung guter Regierungsführung und der Entwicklung des privaten Sektors, da beispielsweise nur zwei Drittel der Budgethilfeprogramme der AfDB als wirksam eingestuft wurden und die Politikdialoge durch unklare Verantwortlichkeiten und unzureichende Kapazitäten beeinträchtigt waren. Bei UNDP zeigte sich, dass trotz positiver direkter Ergebnisse in Bereichen wie dem sozialen Schutz die Nachhaltigkeit begrenzt blieb, unter anderem weil 60 Prozent der Mittel in Ländern mit sehr hohem Human Development Index landeten, was Fragen zur Zielgruppenausrichtung aufwirft. Während der Coronapandemie war das Krisenwerkzeug von UNDP vergleichsweise klein, da eine hohe Abhängigkeit von zweckgebundener Finanzierung die schnelle Mobilisierung flexibler Mittel erschwerte.

Perspektiven der Beteiligten

Der Bericht stützt sich vor allem auf unabhängige Evaluierungsbüros der jeweiligen Organisationen, etwa das Independent Evaluation Office von UNDP, die Independent Development Evaluation der AfDB und das Evaluation Office von UNICEF, deren Berichte auch Rückmeldungen von Begünstigten und Partnerregierungen einbeziehen. Zu den durchgeführten Fallstudien zählen unter anderem die UNICEF-Reaktion auf das Erdbeben in der Türkei und in Syrien im Jahr 2023, Wiederaufbauprogramme der AfDB in fragilen Staaten wie Somalia und dem Südsudan sowie Länderprogramme zur Ernährungssicherheit in der Elfenbeinküste und im Senegal. Geschlechtsspezifisch wird hervorgehoben, dass ein verbesserter Zugang zu sauberem Trinkwasser besonders für Frauen zu einer Neuverteilung der Zeitnutzung führte, da weniger Zeit für das Wasserholen und die Pflege kranker Familienmitglieder aufgewendet werden musste, wodurch Raum für Bildung oder Erwerbstätigkeit entstand. UNDP trug außerdem nachweislich zur Entkriminalisierung von HIV-bezogener Gesetzgebung und zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter bei, was positive Effekte auf die Gesundheitsdienste hatte.

Hinsichtlich der Schutzstandards zeigt die Analyse, dass UNICEF bei der Unterstützung von Menschen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, sowie von Minenopfern wirksam war, jedoch weniger effektiv bei der Erreichung und Betreuung ehemaliger Kindersoldatinnen und -soldaten. Bei humanitären Einsätzen erschwerte die VN-Datenschutzgesetzgebung zu Bargeldtransfers die Umsetzung von Nothilfeprogrammen, etwa nach den Erdbeben in der Türkei und in Syrien.

Methodische Hinweise

Es handelt sich um eine Synthesestudie, die 85 bestehende thematische Metaevaluierungen auswertet, welche wiederum auf Dutzenden bis Hunderten einzelnen Projekt- und Programmevaluierungen basieren, ergänzt durch wissenschaftliche Literatur und Politikdokumente. Die Bewertung der Wirksamkeit erfolgte anhand einer Skala von „nicht wirksam“ über „wahrscheinlich wirksam“ bis „erwiesen wirksam“, wobei mittels einer sogenannten Effektleiter die Verlässlichkeit der zugrunde liegenden Evidenz gewichtet wurde. Eine wesentliche Einschränkung besteht darin, dass für einige Organisationen, insbesondere für die AfDB, aktuelle unabhängige Metaevaluierungen fehlen, sodass Schlussfolgerungen teilweise auf veralteten oder internen Dokumentationen beruhen.

Wichtige Datenpunkte und Indikatoren

Indikator Wert
Gesamtausgaben BHOS-Artikel 5.1 (2017–2023) rund 1,2 Milliarden Euro
Anteil der AfDB an den Gesamtmitteln 38 Prozent
Anteil der regionalen Entwicklungsbanken am Artikel 5.1 43 Prozent
Anteil der VN-Organisationen am Artikel 5.1 40 Prozent
Von UNICEF erreichte Kinder mit lebensrettender Ernährungsbehandlung (2022) 7,3 Millionen
Durch wiederhergestellte Infrastruktur von UNDP begünstigte Menschen (2023) 13,8 Millionen
Anteil der weltweit geimpften Kinder unter fünf Jahren durch UNICEF rund 45 Prozent
Realisierte Projektziele der AfDB im Rahmen der Coronaresponse 63 Prozent

 

Erkenntnisse (Lessons Learned)

Eine zentrale Lehre besteht darin, dass die Komplementarität zwischen regionalen Entwicklungsbanken und VN-Organisationen entscheidend für die Kohärenz war, wobei Überlappungen weitgehend vermieden wurden und beide Organisationstypen unterschiedliche komparative Vorteile nutzten. Ein weiterer wichtiger Kontextfaktor war die zunehmende geopolitische Fragmentierung, die durch den Aufstieg alternativer multilateraler Strukturen wie der AIIB und der BRICS-Staaten sowohl Chancen für Entwicklungsländer als auch Risiken für die Kohärenz westlicher Politik schuf. Die Coronapandemie zeigte zudem, dass eine hohe Abhängigkeit von zweckgebundener Finanzierung Organisationen wie UNDP in ihrer Reaktionsfähigkeit einschränkte, während ungebundene Mittel die Flexibilität und Krisenbereitschaft deutlich stärkten.

Potenzial für Skalierung und Übertragbarkeit

Das Modell der mehrjährigen, ungebundenen Kernfinanzierung erscheint grundsätzlich übertragbar auf andere Geberländer und wird im Bericht ausdrücklich als bewährte Praxis hervorgehoben, die die Niederlande über den VN Funding Compact auch bei anderen Mitgliedstaaten verankern sollten. Eine Skalierung erfordert jedoch, dass die mandatsbedingten Grenzen der Organisationen respektiert werden, da Ausweitungen des thematischen Mandats sorgfältig gegen die bestehende Fachkompetenz und die BHOS-Prioritäten abgewogen werden müssen, um eine Verwässerung zu vermeiden. Politisch entscheidend ist zudem die Stärkung der finanziellen Stabilität multilateraler Organisationen, da die Abhängigkeit von einer begrenzten Gebergruppe ein strukturelles Risiko für die Nachhaltigkeit der Effekte darstellt.

Für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger folgt daraus, dass eine reichsweite Abstimmung der multilateralen Ausrichtung sowie eine systematische Prüfung komparativer Vorteile pro Organisation notwendig sind, ebenso wie gezielte institutionelle Reformen zur Förderung von Transparenz und finanzieller Stabilität. Geldgebende sollten zudem in Exekutivgremien aktiv Koalitionen mit gleichgesinnten Staaten bilden, um Reformen zur Stärkung guter Regierungsführung in Partnerländern voranzutreiben.

Weiterführende Ressourcen und Links

Für weitere Informationen zu den durchführenden und finanzierenden Organisationen sowie zu den Evaluierungsstellen bieten sich folgende Quellen an: die IOB-Website des niederländischen Außenministeriums (iob-evaluatie.nl), das SEO Economisch Onderzoek als beauftragtes Beratungsunternehmen (seo.nl) sowie die unabhängigen Evaluierungsbüros IDEV der AfDB, IED der AsDB, das Evaluation Office von UNICEF und das Independent Evaluation Office von UNDP.

Rezension des Berichts

Oomes, Nienke, Robbert Rademakers, Thierry Belt, and Hanna Sakhno. Multilaterale Samenwerking: Mondiale Uitdagingen, Gezamenlijke Oplossingen. Periodieke Rapportage 2017-2023 over Ongeoormerkte Bijdragen aan Regionale Ontwikkelingsbanken en VN-Organisaties onder BHOS-artikel 5.1. SEO Economisch Onderzoek, in opdracht van Directie Internationaal Onderzoek en Beleidsevaluatie IOB, Ministerie van Buitenlandse Zaken, Den Haag, oktober 2025. Online: https://www.iob-evaluatie.nl/resultaten/multilaterale-samenwerking (accessed 16.07.2026)