Das Markterschließungsprogramm für KMU: Was die Evaluation über Wirkung, Grenzen und Weiterentwicklung zeigt
Das Markterschließungsprogramm für kleine und mittlere Unternehmen (MEP) unterstützt deutsche KMU seit 2012 dabei, ausländische Märkte zu erkunden und Geschäftskontakte anzubahnen. Die aktuelle Evaluation im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) bestätigt dem Programm eine hohe Relevanz, eine überwiegend professionelle Umsetzung und eine im Kern belegte Wirksamkeit: Rund ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen berichtet nach MEP-Reisen von Umsatzsteigerungen, in Summe wurden für 2023 und 2024 zusätzliche Exportumsätze von 216,9 beziehungsweise 257,9 Millionen Euro berichtet. Diese Zahlen beruhen auf einem kurzen Nachbefragungszeitraum von sechs bis acht Monaten und auf teils imputierten Angaben, da mehr als die Hälfte der Unternehmen mit positiver Exportentwicklung kein konkretes Umsatzvolumen nannte. Beschäftigungseffekte sind selten, treten verzögert auf und entstehen häufiger im Ausland als in Deutschland. Die Ursächlichkeit der beobachteten Effekte lässt sich nicht im Sinne einer kausalen Gewissheit belegen, wohl aber als plausibler Beitrag mit nachweisbaren Beschleunigungs- und Erweiterungseffekten. Der Bericht enthält keine geschlechtsspezifische Datenaufschlüsselung und keine Prüfung entlang menschenrechtlicher oder konfliktsensibler Standards; diese Lücken werden in der vorliegenden Synthese benannt, ohne dass fehlende Daten ersetzt oder unterstellt werden.
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Kontext
Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands hängt in besonderem Maße vom Außenhandel ab. Im Jahr 2024 erreichten die deutschen Exporte 1.550 Milliarden Euro und damit rund 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; etwa jeder vierte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Europa bleibt die wichtigste Zielregion, während sich die geopolitischen Rahmenbedingungen zunehmend verschärfen: Handelsbarrieren nehmen zu, die wirtschaftliche Erholung Chinas bleibt aus, und die volatile US-Handelspolitik erhöht die Unsicherheit für exportorientierte Unternehmen. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die 2023 Auslandsumsätze von 698 Milliarden Euro erzielten, verschlechterte sich die Ausgangslage: Der Anteil auslandsaktiver Unternehmen sank von rund 23 Prozent im Jahr 2023 auf etwa 20 Prozent im Jahr 2024. Ursächlich dafür sind unter anderem Inflation, hohe Energiepreise, verschärfter Wettbewerb und begrenzte personelle sowie finanzielle Ressourcen auf Unternehmensseite.
Vor diesem Hintergrund adressiert das MEP vier zentrale Hemmnisse, mit denen KMU bei der Erschließung ausländischer Märkte konfrontiert sind: Informationsdefizite über Zielmärkte, fehlende Vernetzung und Sichtbarkeit vor Ort, begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen sowie die Notwendigkeit, Geschäftsmodelle an lokale Rahmenbedingungen anzupassen. Das Programm ist branchenoffen konzipiert, richtet sich vorrangig an KMU, steht aber auch größeren Unternehmen offen. Es wird seit 2012 umgesetzt und ist Teil eines umfassenderen außenwirtschaftlichen Instrumentariums des BMWE, das im Fachreferat VB4 gebündelt ist und neben dem MEP auch die Exportinitiative Energie (EiE) und das Wirtschaftsnetzwerk Afrika (WNA) umfasst. Die aktuelle Evaluation, im November 2024 beauftragt und im März 2026 abgeschlossen, untersucht diese drei Fördermaßnahmen für den Zeitraum 2019 bis 2024 mit Schwerpunkt auf den Jahren 2023 und 2024. Die vorliegende Synthese konzentriert sich auf die MEP-spezifischen Befunde, ordnet sie jedoch, wo relevant, in den Gesamtkontext der drei Maßnahmen ein.
Strategisch ist das MEP Teil der deutschen Außenwirtschaftsförderung und damit auch der industriepolitischen Antwort auf Diversifizierungs- und Resilienzbedarfe in globalen Lieferketten. Zielgruppen sind vorrangig kleine und mittelgroße Unternehmen aus allen Branchen und Bundesländern, wobei Maschinenbau, unternehmensnahe Dienstleistungen sowie der Gesundheits- und öffentliche Sektor besonders stark vertreten sind. Die entwicklungspolitische Dimension des Programms ist im engeren Sinn nicht dessen Hauptausrichtung; das MEP ist primär außenwirtschaftspolitisch und nicht entwicklungspolitisch gerahmt, was für die Einordnung menschenrechtlicher und konfliktsensibler Referenzrahmen in Abschnitt 12 von Bedeutung ist.
Überblick über die Intervention
Das MEP ist modular aufgebaut und umfasst insgesamt neun Angebote. Im Zentrum der Evaluation stehen die drei am häufigsten genutzten Module, die zwischen 2021 und 2024 jährlich rund 70 bis 80 Prozent aller umgesetzten Projekte ausmachten:
- Markterkundungsreisen: Sondierung von Marktchancen in einem noch wenig bekannten Zielmarkt, mit dem Ziel, eine informierte Entscheidung über die weitere Marktbearbeitung zu ermöglichen.
- Geschäftsanbahnungsreisen: konkrete Anbahnung von Geschäftskontakten zwischen deutschen und ausländischen Unternehmen, meist mit individuellen B2B-Gesprächsterminen.
- Leistungsschauen: Präsentation deutscher Produkte und Dienstleistungen vor einem Fachpublikum im Zielmarkt im Rahmen eines Symposiums.
Weitere Angebote umfassen unter anderem Informationsreisen und -veranstaltungen, Webinare, Verbundprojekte, Einkaufsinitiativen, VN-Informationsreisen und Sourcing-Touren, die jedoch quantitativ deutlich weniger ins Gewicht fallen. Das geplante Fördervolumen des MEP betrug 2021 rund 9,8 Millionen Euro und stieg bis 2024 auf 12,3 Millionen Euro.
Die Umsetzung folgt einer arbeitsteiligen Organisationsstruktur: Das BMWE verantwortet die strategische Steuerung und Finanzierung, die bei der Germany Trade and Invest (GTAI) angesiedelte Geschäftsstelle des MEP übernimmt die operative Koordination, Qualitätssicherung und Öffentlichkeitsarbeit, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist für die administrative Abwicklung inklusive Ausschreibungsverfahren und Förderfähigkeitsprüfung zuständig, und ein Strategiebeirat mit Vertretenden von Verbänden, Kammern und dem Auswärtigen Amt berät zur strategischen Ausrichtung und ist an der Projektauswahl beteiligt. Durchführende Dienstleister organisieren und realisieren die einzelnen Reisen vor Ort. Eine Besonderheit des MEP ist die politische Flankierung der Angebote unter der Schirmherrschaft der Bundesrepublik Deutschland: Interviewte aller Akteursgruppen berichten übereinstimmend, dass der Auftritt unter dem Bundesadler Zugänge zu Unternehmen, Regierungen und Ministerien im Zielmarkt erleichtert, die ohne den Rahmen des MEP deutlich schwieriger zu erreichen wären. Die drei Fördermaßnahmen des BMWE sind unter der Dachmarke Mittelstand Global zusammengefasst, deren internationale Verständlichkeit von den Befragten allerdings kritisch bewertet wird.
Evidenz: Was funktioniert hat
Outputs
Auf Output-Ebene erreicht das MEP seine Zielvorgaben weitgehend vollständig. Die angestrebte Zahl von rund 150 Projekten jährlich wurde 2023 mit 150 und 2024 mit 160 umgesetzten Projekten erfüllt beziehungsweise leicht übertroffen; lediglich 2021 blieb die Umsetzung pandemiebedingt mit 79 Projekten deutlich darunter. Die Mindestteilnehmendenzahl (acht Unternehmen für Geschäftsanbahnungsreisen und Leistungsschauen, zehn für Markterkundungsreisen) wurde mit wenigen Ausnahmen erreicht. Im Jahr 2024 nahmen 784 Unternehmen an Geschäftsanbahnungsreisen, 116 an Markterkundungsreisen und 78 an Leistungsschauen teil. Die Zielvorgabe, dass mindestens 75 Prozent der Teilnehmenden KMU und mindestens 20 Prozent Kleinst-KMU sein müssen, wurde bei allen Reiseangeboten vollständig erfüllt, ebenso die Zielvorgabe einer bundesweiten Teilnehmendenabdeckung und die weltweite Streuung der Zielmärkte über alle Kontinente hinweg. Die Zufriedenheit der Teilnehmenden übertrifft die programmeigene Zielmarke von mindestens 75 Prozent positiver Bewertungen deutlich: Knapp 90 Prozent der Befragten hatten 2024 einen sehr guten oder guten Gesamteindruck von den Modulen, die Projektorganisation durch Durchführende wurde von rund zwei Dritteln mit „sehr gut“ bewertet.
Outcomes
Auf Outcome-Ebene zeigen die Auswertungen des 6-bis-8-Monatsfeedbacks aus den Jahren 2023 und 2024 durchgängig positive Werte. Rund 85 Prozent der Unternehmen stimmten der Aussage zu, durch die Teilnahme an einer MEP-Reise qualitativ hochwertige Markterkenntnisse erhalten zu haben, mit Werten zwischen 73 und 92 Prozent je nach Modul und Jahr. Etwas mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen konnte nachhaltige Geschäftskontakte knüpfen, mit im Durchschnitt 2,6 Kontakten bei Geschäftsanbahnungsreisen und bis zu 6,6 Kontakten bei Markterkundungsreisen im Jahr 2024. Zwischen 52 und 81 Prozent der Befragten bewerteten unmittelbar nach der Reise ihre mittelfristige Exportentwicklung als „sehr gut“ oder „gut“ einschätzbar. Als besonders wertvoll für den schnellen Marktzugang gilt aus Sicht der Teilnehmenden die Kombination aus Marktinformationen, organisierten B2B-Terminen und der politischen Flankierung durch die Bundesregierung.
Wirkungen
Auf Wirkungsebene bestätigt die Evaluation, dass die MEP-Reisen mittel- und langfristig zum Ausbau des Auslandsgeschäfts beitragen. Rund ein Drittel der teilnehmenden Unternehmen berichtete im 6-bis-8-Monatsfeedback von Umsatzsteigerungen, mit Werten zwischen 15 und 58 Prozent je nach Modul und Jahr. In Summe wurden für die berichteten Umsatzsteigerungen 216,9 Millionen Euro (2023) und 257,9 Millionen Euro (2024) an zusätzlichen Exportumsätzen ausgewiesen, mit einem bereinigten Durchschnitt von 1,2 respektive 1,1 Millionen Euro pro berichtendem Unternehmen. Diese Zahlen sind als berichtete Werte zu verstehen: Für mehr als die Hälfte der Unternehmen mit positiver Exportentwicklung lag keine konkrete Volumenangabe vor, sodass die Geschäftsstelle des MEP ersatzweise den bereinigten Durchschnitt der gemeldeten Umsätze ansetzte. Wie stark das Gesamtergebnis dadurch über- oder unterschätzt wird, lässt sich laut Bericht nicht bewerten. Über die Hälfte der befragten Unternehmen gab zudem an, dass sich der Effekt der Teilnahme auf den Umsatz zum Befragungszeitpunkt noch nicht abschätzen ließ, was angesichts der kurzen Nachbefragungsfrist von sechs bis acht Monaten und der in der Regel längeren Dauer eines tatsächlichen Markteintritts plausibel ist.
Wirkungen: Verifizierte Hypothesen, Profitierende, Nachhaltigkeit und unerwartete Effekte
Verifizierte Wirkungshypothesen
Die im Wirkungsmodell des MEP formulierten Kernhypothesen, dass Unternehmen durch die Teilnahme Wissen gewinnen, Zeit und Kosten sparen, Marktchancen erkennen, Geschäftskontakte knüpfen und in der Folge ihr Auslandsgeschäft ausbauen, werden durch die Evaluationsergebnisse überwiegend bestätigt. Die Kontributionsanalyse zeigt zudem, dass die Fördermaßnahme insbesondere Beschleunigungs- und Erweiterungseffekte erzeugt: Rund 80 Prozent der interviewten KMU hätten vergleichbare Aktivitäten grundsätzlich auch ohne die Teilnahme am MEP in Erwägung gezogen, da sie sich bereits eigeninitiativ mit der Markterschließung befasst hatten. Die Teilnahme am Programm erleichterte jedoch den Zugang zu relevanten Kontakten deutlich und reduzierte den notwendigen Zeit- und Kostenaufwand. Diese Einordnung entspricht der im Bericht formulierten Vorsicht: Kausale Gewissheit im strengen Sinn wird nicht behauptet, wohl aber ein zu einem hohen Grad plausibler Beitrag der Fördermaßnahme zu den beobachteten Effekten.
Profitierende
Von den MEP-Angeboten profitieren vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen mit mehr als neun, aber weniger als 500 Beschäftigten, die zusammen den Großteil der Teilnehmenden ausmachen. Großunternehmen sind mit 20 bis 30 Prozent der Teilnehmenden im Vergleich zu ihrem Anteil an der Grundgesamtheit deutscher Exportunternehmen (rund drei Prozent) deutlich überrepräsentiert, während Kleinstunternehmen (rund 64 Prozent der deutschen Exportunternehmen) unterrepräsentiert sind. Als Gründe hierfür werden in den Interviews vor allem fehlende personelle und finanzielle Kapazitäten von Kleinstunternehmen genannt, etwa die Schwierigkeit, dass die Geschäftsführung mehrere Tage für eine Reise abwesend ist. Die Teilnahme von Großunternehmen wird von den befragten Akteuren dennoch als wertvoll angesehen, da sie die Attraktivität von Veranstaltungen für lokale Partnerunternehmen erhöht und Erfahrungsaustausch innerhalb der Reisegruppen ermöglicht. Rund 40 Prozent der Unternehmen hatten zwischen 2019 und 2023 bereits an MEP-Angeboten teilgenommen, was auf einen substanziellen Anteil wiederkehrender Nutzerschaft hinweist.
Nachhaltigkeit
Die Nachhaltigkeit der Wirkungen ist maßgeblich davon abhängig, ob Unternehmen im Anschluss an eine MEP-Reise den Zielmarkt eigeninitiativ weiterbearbeiten. Durchführende und Unternehmen betonen übereinstimmend, dass eine einzelne Reise für den nachhaltigen Aufbau des Auslandsgeschäfts in der Regel nicht ausreicht und weitere Aktivitäten, etwa zusätzliche Reisen oder ergänzende Beratungsleistungen durch Auslandshandelskammern, notwendig sind. Dies gelingt insbesondere größeren Mittelständlern mit ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen besser als Kleinstunternehmen. Auch die Passung zwischen Produkt oder Dienstleistung und der Nachfrage im Zielmarkt sowie die Entwicklung des jeweiligen Marktes selbst beeinflussen die längerfristige Tragfähigkeit der angebahnten Geschäftsbeziehungen.
Unerwartete positive Effekte
Ein häufig genannter nichtintendierter positiver Effekt ist die Vernetzung zwischen den teilnehmenden Unternehmen selbst: Rund jedes zweite Unternehmen berichtete im 6-bis-8-Monatsfeedback von Synergieeffekten durch Kontakte zu anderen Reiseteilnehmenden, etwa in Form neuer Kooperationen oder Geschäftsopportunitäten untereinander. Zusätzlich berichten strategische Partner und Durchführende, dass die Reisen zum interkulturellen Austausch beitragen und Vorurteile gegenüber dem Zielmarkt beziehungsweise der dortigen Kultur abbauen. Ein Durchführender berichtete von einem Einzelfall, in dem ein teilnehmendes Unternehmen im Nachgang eine Niederlassung im Zielmarkt gründete; weitere systematische Daten zu solchen weiterreichenden Effekten liegen laut Bericht nicht vor.
Unerwartete negative Effekte
Der Bericht weist auf strukturelle Nebenwirkungen der Teilnahmedynamik hin, ohne diese explizit als „negative Wirkungen“ zu kategorisieren. Ein wiederholt genanntes Muster ist die Verstetigung eines relativ konstanten Teilnehmendenkreises: Interviewte Durchführende und ein Mitglied des Strategiebeirats äußerten die Sorge, dass ein stark gleichbleibender Teilnehmendenkreis zu weniger Synergieeffekten führt, da sich Unternehmen in kleineren Branchen bereits kennen und kaum neue Impulse entstehen. Zugleich erschwert die hohe Mehrfachteilnahme die Ansprache neuer Zielgruppen. Als weiterer Nebeneffekt zeigt sich, dass unpassende Gesprächspartner oder zu heterogen zusammengesetzte Reisegruppen die Zufriedenheit einzelner Teilnehmender schmälern können, insbesondere bei Leistungsschauen. Diese Befunde sind als Umsetzungsschwächen und nicht als schwerwiegende negative Wirkungen im Sinne von Schadensfällen zu verstehen; der Bericht dokumentiert keine gravierenden unbeabsichtigten Schäden für Unternehmen, Beschäftigte oder Dritte.
Evidenz: Was nicht funktioniert hat
Die Evaluationsergebnisse zeigen mehrere Bereiche, in denen die Erwartungen an das MEP nicht oder nur eingeschränkt erfüllt wurden:
Beschäftigungswirkungen bleiben schwach und schwer zuordenbar. Über alle MEP-Module hinweg ist eine direkte, kurzfristig messbare Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland selten; nachweisbare Effekte entstehen häufiger im Zielmarkt als im Inland. Die Anteile der Unternehmen, die von einer Schaffung (zwischen 4 und 16 Prozent je nach Modul und Jahr) oder Sicherung (zwischen 5 und 22 Prozent) von Arbeitsplätzen berichten, sind vergleichsweise gering, und die betroffenen Unternehmen berichten mehrheitlich lediglich von ein bis zwei Arbeitsplätzen. Dies wird von strategischen Partnern und Durchführenden plausibel damit erklärt, dass sich Beschäftigungseffekte erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung nach dem Ausbau des Auslandsgeschäfts einstellen, wenn überhaupt.
Datenverfügbarkeit begrenzt die Aussagekraft der Wirkungsmessung. Die Wirtschaftlichkeitsanalyse konnte für einzelne Angebote der EiE und des WNA, etwa das Projektentwicklungsprogramm, die Branchenexpertinnen und -experten sowie die German Desks, nur qualitativ bewertet werden, weil belastbare quantitative Daten fehlten. Auch beim MEP selbst beruht der zentrale Förderfaktor auf einer Imputation, da für mehr als die Hälfte der Unternehmen mit berichteter positiver Exportentwicklung keine konkrete Umsatzangabe vorlag.
Administrative Prozesse werden von Durchführenden teilweise als zu bürokratisch empfunden. Mehrere Durchführende bewerten die Anforderungen an Angebote im Ausschreibungsverfahren als zu wenig zielgerichtet und wünschen sich mehr Transparenz bei der Auswahl sowie zielgerichtetere Rückmeldungen zu eingereichten Angeboten. Ähnliche Kritikpunkte wurden bereits in der vorangegangenen MEP-Evaluation aus dem Jahr 2016 dokumentiert, was auf eine strukturelle statt punktuelle Herausforderung hinweist.
Informationsbereitstellung vor Reisebeginn bleibt verbesserungswürdig. Teilnehmende Unternehmen berichten wiederholt, dass Informationen zu B2B-Terminen erst kurz vor Reisebeginn übermittelt werden, was die Vorbereitung erschwert. Durchführende erklären dies mit den kurzfristigen Zusagen lokaler Geschäftspartner, was die strukturelle Ursache dieses Problems außerhalb der direkten Steuerbarkeit des MEP verortet.
Die Bekanntheit des Gesamtprogrammportfolios bleibt hinter dem Potenzial zurück. Während das MEP selbst als Maßnahme in der Zielgruppe insgesamt gut bekannt ist, kennen viele Unternehmen nicht den vollen Angebotsumfang und die Unterschiede zwischen den einzelnen Modulen. Die Dachmarke Mittelstand Global wird zwar im Inland als ausbaufähig eingeschätzt, im Ausland jedoch als wenig aussagekräftig und ohne erkennbaren Mehrwert wahrgenommen.
Bei einzelnen EiE- und WNA-Angeboten (nicht MEP selbst) konnte die Wirksamkeit nicht abschließend belegt werden. Für die Branchenexpertinnen und -experten des WNA etwa lässt sich die Ursächlichkeit der Angebote für beobachtete Effekte laut Bericht nicht eindeutig feststellen, da entsprechende Informationen weitgehend fehlen. Dies ist zur Einordnung des MEP relevant, da es zeigt, dass innerhalb desselben Förderportfolios ein deutliches Evidenzgefälle zwischen den drei Maßnahmen besteht.
Perspektiven der Stakeholder
Der Bericht dokumentiert keine formalen Fallstudien im Sinne vertiefter, mehrperspektivischer Einzelfalluntersuchungen mit definierter Methodik. Die Evaluation stützt sich stattdessen auf 146 semistrukturierte Interviews mit fünf Akteursgruppen sowie auf standardisierte Feedback-Fragebögen; einzelne besonders aussagekräftige Interviewzitate und Erfahrungsberichte werden im Bericht als illustrative Fallbeispiele eingeordnet, ohne den methodischen Anspruch einer systematischen Fallstudie zu erheben. Diese Unterscheidung wird in der vorliegenden Synthese konsequent eingehalten.
Maßnahmenverantwortliche (im BMWE und in der Geschäftsstelle) bewerten die Zusammenarbeit zwischen den Ebenen als erprobt und weitgehend reibungslos. Sie sehen in der frühzeitigeren Bereitstellung von Reiseinformationen und im Aufbau einer übergreifenden Datenplattform wesentliche Ansatzpunkte für Verbesserungen.
Strategische Partner (Mitglieder des Strategiebeirats, unter anderem aus Verbänden wie dem VDMA, dem BDI, der IHK zu Dortmund und dem Auswärtigen Amt) loben die bedarfsorientierte Zusammenarbeit und die Transparenz der Geschäftsstelle, wünschen sich jedoch eine engere Einbindung in die Projektauswahl, um branchenspezifische Bedarfe stärker einzubringen.
Durchführende (überwiegend Dienstleistungsunternehmen und Consultants) bewerten die inhaltliche Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle positiv, kritisieren jedoch den administrativen Aufwand der Ausschreibungsverfahren sowie einen zunehmenden Preiswettbewerb, bei dem aus ihrer Sicht niedrige Angebotspreise zulasten der Qualität gehen könnten. Ein Durchführender formulierte es in einem Interview so: „Der Programmablauf, die Konferenzen, Länderbriefings und Site-Visits waren super organisiert. Es wurden sogar vorab geäußerte Programmwünsche erfolgreich berücksichtigt“, eine Einschätzung, die sich in einer offenen Angabe im Fragebogen zu Markterkundungsreisen 2024 findet.
Teilnehmende KMU heben in Interviews die Zeit- und Kostenersparnis sowie den erleichterten Zugang zu Kontakten hervor. Eine teilnehmende Person führte aus: „Ohne die Teilnahme an der Markterkundungsreise hätten wir wesentlich länger gebraucht, um alles zusammenzusuchen. Das MEP führt zu einer deutlichen Beschleunigung.“ Gleichzeitig äußern einige Teilnehmende Kritik an zu wenig individualisierten B2B-Terminen oder an einer aus ihrer Sicht zu geringen Anzahl an persönlichen Gesprächsterminen.
Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Außenwirtschaftsberatung, die auf Basis fachlicher Expertise ausgewählt wurden, ordnen das MEP in den größeren Kontext der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher KMU ein und betonen die Bedeutung der staatlichen Flankierung für die Glaubwürdigkeit im Zielmarkt, insbesondere in stark regulierten Sektoren.
Der Bericht enthält keine systematische Differenzierung der Stakeholder-Perspektiven nach Geschlecht der interviewten Personen. Aussagen von Männern und Frauen unter den Interviewten werden nicht getrennt ausgewiesen, weshalb eine geschlechterdifferenzierte Auswertung der Stakeholder-Perspektiven an dieser Stelle nicht möglich ist.
Gender: Geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselte Daten und Befunde
Der Evaluationsbericht enthält keine systematische geschlechtsspezifische Aufschlüsselung der Teilnahme-, Outcome- oder Wirkungsdaten. Weder die Monitoring-Daten zu Teilnehmendenzahlen noch die Auswertungen der 6-bis-8-Monatsfeedbacks unterscheiden nach Geschlecht der beteiligten Unternehmensvertretenden oder nach dem Geschlecht der Unternehmensführung. Auch die 146 durchgeführten Interviews werden nicht nach Geschlecht der Interviewten ausgewertet oder berichtet. Dies stellt eine wesentliche Evidenzlücke dar: Es lässt sich auf Basis des vorliegenden Berichts keine Aussage darüber treffen, ob Frauen und Männer in vergleichbarem Umfang von den MEP-Angeboten profitieren, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede beim Zugang zu den Angeboten gibt, oder ob weibliche Unternehmensführungen andere Bedarfe oder Erfahrungen berichten als männliche.
Diese Lücke ist vor dem Hintergrund gängiger Orientierungsrahmen zur Gleichstellungsorientierung in der Außenwirtschafts- und Entwicklungsförderung, wie sie beispielsweise in einschlägigen Gender-Arbeitshilfen des BMZ formuliert werden, bemerkenswert: Solche Rahmenwerke empfehlen in der Regel eine durchgängige geschlechtsspezifische Disaggregierung von Monitoring- und Evaluationsdaten sowie eine bewusste Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Zugangsbarrieren bereits in der Programmgestaltung. Es ist an dieser Stelle ausdrücklich klarzustellen, dass diese BMZ-Arbeitshilfen kein Bewertungsmaßstab des vorliegenden BMWE-Evaluationsberichts waren und die Evaluation nicht daran gemessen wurde, ob sie diesen Standards entspricht. Die vorliegende Synthese benennt die Lücke, ohne dem Bericht eine Nichteinhaltung von Standards vorzuwerfen, die für seinen Auftrag nicht maßgeblich waren. Zugleich werden an dieser Stelle keine Daten erfunden oder geschätzt: Es liegt keine Grundlage vor, um etwa den Anteil weiblich geführter Unternehmen unter den Teilnehmenden oder geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung zu quantifizieren. Für die Weiterentwicklung des Monitoringkonzepts, die der Bericht selbst als Handlungsempfehlung formuliert, wäre die Aufnahme einer geschlechtsspezifischen Kategorie ein naheliegender Ansatzpunkt, der über den bisherigen Berichtsauftrag hinausgeht.
Schutzstandards: Konflikt- und Kontextsensibilität sowie menschenrechtliche Standards
Der Evaluationsbericht wurde nicht mit dem Ziel erstellt, konfliktsensible oder menschenrechtliche Standards im Sinne der einschlägigen Sicherungsrahmen zu prüfen; ein solcher Prüfauftrag ist in der Leistungsbeschreibung nicht vorgesehen. Die folgende Darstellung unterscheidet deshalb strikt zwischen im Bericht tatsächlich belegten kontextsensiblen Praktiken und Standards, die im Bericht nicht geprüft wurden und für die keine Aussage getroffen werden kann.
Im Bericht belegte kontextsensible Praktiken. Die Evaluation dokumentiert mehrere Formen praktischer Kontextsensibilität in der Programmumsetzung, auch wenn diese nicht unter dem Begriff „Konfliktsensibilität“ gerahmt werden. Dazu zählt die im Rahmen der Teilnehmendenakquisition beobachtete Reaktion auf veränderte geopolitische Rahmenbedingungen: Interviewte nennen etwa den Russisch-Ukrainischen Krieg als Beispiel für veränderte Rahmenbedingungen, die Zielmarktattraktivität und Akquisitionserfolg beeinflussen, und Durchführende passen ihre Ansprache entsprechend an. Auch die grundsätzliche Flexibilität der modularen Programmstruktur, die eine Anpassung an lokale Marktbedingungen erlaubt, kann als eine Form praktischer Kontextanpassung gelten. Bei der Auswahl von Zielmärkten fließen laut Bericht zudem außenwirtschaftspolitische Diversifizierungs- und Resilienzüberlegungen der Bundesregierung ein, wodurch etwa afrikanische Länder stärker gewichtet werden, als es rein ökonomische Kennzahlen nahelegen würden. Dies deutet auf eine gewisse strategische Kontextsensibilität auf Portfolioebene hin, ist jedoch nicht mit einer systematischen Konfliktrisikoanalyse auf Projektebene gleichzusetzen.
Nicht geprüfte Standards. Der Bericht enthält keine systematische Prüfung entlang etablierter Do-No-Harm-Prinzipien oder konfliktsensibler Analyserahmen, wie sie etwa in einschlägigen Orientierungshilfen zur Konfliktsensibilität in der Außenwirtschafts- und Entwicklungszusammenarbeit beschrieben werden. Es liegt keine Analyse vor, ob und wie MEP-Projekte in fragilen oder konfliktbetroffenen Kontexten potenzielle Spannungen zwischen lokalen Gruppen beeinflussen könnten, und es wurde keine systematische Prüfung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten im Sinne der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder vergleichbarer Standards durchgeführt. Auch Fragen der Arbeitsbedingungen bei Zulieferbetrieben im Zielmarkt, der Umweltverträglichkeit der angebahnten Geschäfte oder der Beteiligung vulnerabler Gruppen an Konsultationsprozessen liegen außerhalb des Untersuchungsgegenstands. Es ist an dieser Stelle wichtig festzuhalten, dass das Fehlen einer solchen Prüfung keinen Hinweis auf tatsächliche Missstände darstellt; es bedeutet lediglich, dass der Bericht zu diesen Fragen keine Aussage trifft und keine entsprechende Evidenz vorliegt. Eine Bewertung des MEP an menschenrechtlichen oder konfliktsensiblen Maßstäben, wie sie etwa in Orientierungsrahmen zu menschenrechtlichen Prinzipien und Gender in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit formuliert werden, wäre auf Basis des vorliegenden Berichts nicht seriös möglich und würde den Untersuchungsauftrag der Evaluation überdehnen.
Methodische Hinweise
Die Evaluation verfolgt ein zweistufiges Design: Zunächst werden die drei Fördermaßnahmen MEP, EiE und WNA jeweils einzeln evaluiert, anschließend erfolgt eine Querschnittsevaluation, die übergreifende Befunde verdichtet. Inhaltlich deckt die Evaluation vier Analysebereiche ab: Relevanz, Kohärenz, Umsetzung sowie Zielerreichung und Wirksamkeit, mit besonderem Schwerpunkt auf den beiden letztgenannten. Im Rahmen der nach Paragraf 7 Absatz 2 Bundeshaushaltsordnung vorgesehenen Erfolgskontrolle wurde zusätzlich eine Wirtschaftlichkeitsanalyse ergänzt, bestehend aus einer Vollzugswirtschaftlichkeits- und einer Maßnahmenwirtschaftlichkeitsanalyse.
Methodisch stützt sich die Wirkungsanalyse auf den theoriebasierten Ansatz der Kontributionsanalyse nach Mayne (2011), der eine systematische, mehrstufige Beweisführung entlang von Aktivitäten, Outputs, Outcomes und Impacts ermöglicht, ohne einen im strengen Sinn experimentellen Kausalitätsnachweis zu erfordern. Dieser Ansatz ist explizit darauf ausgelegt, einen plausiblen Beitrag der Fördermaßnahme zu belegen, nicht eine isolierte, kontrafaktisch abgesicherte Kausalität.
Die Datengrundlage umfasst mehrere methodische Bausteine: eine initiale und vertiefende Literatur- und Dokumentenanalyse zu Bedarfen und Herausforderungen von KMU bei der Internationalisierung, eine Analyse vorliegender Monitoring- und Sachstandsberichte, Befragungsergebnisse und Auftragsunterlagen der drei Fördermaßnahmen, vier Wirkungsmodellworkshops (drei maßnahmenspezifische und ein maßnahmenübergreifender) zur Entwicklung und Validierung der Wirkungslogiken, sowie eine Erfassung von 26 vergleichbaren Förderprogrammen auf Landes- und Bundesebene zur Kohärenzprüfung. Kernstück der qualitativen Erhebung waren 146 Interviews mit fünf unterschiedlichen Akteursgruppen: Maßnahmenverantwortliche in BMWE und Geschäftsstellen, strategische Partner aus Strategiebeiräten und Partnernetzwerken, Durchführende der operativen Umsetzung, teilnehmende KMU sowie unabhängige Expertinnen und Experten der Außenwirtschaft. Für das MEP allein wurden dabei 1 Interview mit Maßnahmenverantwortlichen, 11 mit strategischen Partnern, 10 mit Durchführenden und 19 mit teilnehmenden KMU geführt; hinzu kommen maßnahmenübergreifende Interviews mit 9 Maßnahmenverantwortlichen und 4 Expertinnen und Experten. Die Auswahl der interviewten Unternehmen erfolgte nach den Kriterien einer breiten Abdeckung von Angeboten, Regionen, Branchen, Unternehmensgrößen und Erst- beziehungsweise Mehrfachteilnahme.
Der Betrachtungszeitraum der Evaluation umfasst grundsätzlich 2019 bis 2024, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf den Jahren 2023 und 2024; die ergänzende Wirtschaftlichkeitsanalyse wurde nachträglich beauftragt und zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 durchgeführt. Die Feldarbeit insgesamt erstreckte sich von Januar 2025 bis Januar 2026.
Mehrere Einschränkungen sind bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen. Erstens beruhen die zentralen Wirkungskennzahlen auf einer Nachbefragung sechs bis acht Monate nach Reiseende, einem Zeitraum, der für die Beobachtung vollständiger Markteintritte oder Beschäftigungseffekte häufig zu kurz ist; entsprechend gab über die Hälfte der Unternehmen an, dass sich Umsatzeffekte zum Befragungszeitpunkt noch nicht abschätzen ließen. Zweitens beruht der ausgewiesene Förderfaktor auf einer Imputation des Umsatzvolumens für mehr als die Hälfte der Unternehmen mit positiver Exportentwicklung, da für diese keine konkrete Angabe vorlag; der Bericht selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass sich eine mögliche Über- oder Unterschätzung des Gesamtergebnisses hierdurch nicht bewerten lässt. Drittens variiert die Datenqualität und -verfügbarkeit erheblich zwischen den drei Fördermaßnahmen, was die Vergleichbarkeit der Wirtschaftlichkeitsergebnisse einschränkt. Viertens ist die Auswahl der interviewten Unternehmen nicht als repräsentative Zufallsstichprobe zu verstehen, sondern folgt einer gezielten Auswahl nach inhaltlichen Kriterien, was die Übertragbarkeit einzelner Interviewaussagen auf die Gesamtpopulation begrenzt. Fünftens war es in einigen Fällen herausfordernd, Interviewpartnerinnen und -partner zu erreichen, insbesondere in den Gruppen der teilnehmenden KMU und der Expertinnen und Experten, was zu einer gewissen Selektivität in der erreichten Stichprobe führen kann. Schließlich ist die Kontributionsanalyse methodisch darauf ausgelegt, Plausibilität und nicht experimentelle Kausalität zu belegen; entsprechend sind alle Aussagen zur Ursächlichkeit der Fördermaßnahme im Sinne eines plausiblen Beitrags mit Beschleunigungs- und Erweiterungseffekten zu lesen, nicht im Sinne einer isolierten, methodisch abgesicherten Kausalwirkung.
Wichtige Datenpunkte und Indikatoren
| Indikator | 2023 | 2024 | Anmerkung |
| Umgesetzte MEP-Projekte gesamt | 150 | 160 | Zielvorgabe rund 150 pro Jahr erfüllt |
| Teilnehmende Unternehmen (Geschäftsanbahnung, Markterkundung, Leistungsschau) | 971 (n) | 1.043 (n) | Reine Teilnahmen, teils Mehrfachnennungen |
| Anteil Unternehmen mit „sehr gut“/„gut“ Gesamteindruck | rund 88 % | rund 88 % (Geschäftsanbahnung) | Zielvorgabe von mindestens 75 % übertroffen |
| Anteil mit berichteter Umsatzsteigerung | 15 bis 58 % je Modul | 15 bis 31 % je Modul | Auswertung 6-bis-8-Monatsfeedback |
| Berichtete zusätzliche Exportumsätze gesamt | 216,9 Mio. Euro | 257,9 Mio. Euro | Berichteter Wert, teils imputiert |
| Bereinigter Durchschnittsumsatz pro berichtendem Unternehmen | rund 1,2 Mio. Euro | rund 1,1 Mio. Euro | Bereinigt um höchsten und niedrigsten Wert |
| Förderfaktor (generierter Umsatz pro Fördereuro) | rund 25 | rund 31 | Seit 2019 im Bereich von 20 bis 37 |
| Anteil Unternehmen mit Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen | 5 bis 16 % je Modul | 4 bis 22 % je Modul | Meist ein bis zwei Arbeitsplätze |
| Haushaltsmittel MEP, Ist-Ausgaben | 11,2 Mio. Euro | 10,5 Mio. Euro | Abrufquote 96 % / 85 % |
| Steuerungs- und Verwaltungskostenanteil | 9 % | 11 % | Bezogen auf Gesamtausgaben |
Alle in dieser Tabelle ausgewiesenen Umsatz- und Förderfaktorwerte sind als berichtete, teils imputierte Werte zu verstehen und nicht als exakt gemessene Größen.
Erkenntnisse und Lessons Learned
Politische Flankierung ist ein zentraler, oft unterschätzter Wirkfaktor. Der Auftritt unter der Schirmherrschaft der Bundesrepublik Deutschland erleichtert Zugänge und schafft Glaubwürdigkeit, insbesondere in staatlich stark regulierten Sektoren wie der Energiewirtschaft. Dieser Effekt ist strukturell schwer zu skalieren, da er an die staatliche Rahmung selbst gebunden ist, sollte aber als eigenständiger Erfolgsfaktor in der Programmkommunikation und -gestaltung stärker herausgestellt werden.
Eine Reise allein reicht selten für nachhaltigen Markterfolg. Die Wirksamkeit hängt maßgeblich davon ab, ob Unternehmen im Anschluss eigeninitiativ und mit ausreichenden Ressourcen weiterarbeiten. Für kleinere Unternehmen mit begrenzten Kapazitäten entstehen hier systematische Nachteile, die durch ergänzende Beratungsangebote oder eine engere Nachverfolgung adressiert werden könnten.
Kurzfristige Nachbefragungen erfassen die Wirkung nur unvollständig. Die Sechs-bis-Acht-Monatsfrist ist für viele der intendierten Wirkungen, insbesondere Beschäftigungseffekte, zu kurz gegriffen. Eine ergänzende längerfristige Nachverfolgung würde die Evidenzbasis erheblich verbessern.
Datenverfügbarkeit ist eine Voraussetzung für belastbare Wirtschaftlichkeitsaussagen. Dort, wo Daten fehlen, wie bei mehreren EiE- und WNA-Angeboten, lässt sich Wirtschaftlichkeit nur qualitativ und mit größerer Unsicherheit beurteilen. Das MEP selbst verfügt über eine vergleichsweise gute Datenbasis, die jedoch durch fehlende Umsatzangaben bei mehr als der Hälfte der Unternehmen mit positiver Entwicklung eingeschränkt bleibt.
Ein stabiler Teilnehmendenkreis erzeugt einen Zielkonflikt. Mehrfachteilnahme signalisiert Zufriedenheit und Vertrauen in das Programm, kann aber gleichzeitig die Erreichung neuer Zielgruppen erschweren und Synergieeffekte innerhalb kleinerer Branchen verringern. Eine ausgewogene Mischung aus Erst- und Mehrfachteilnehmenden erscheint als Zielgröße sinnvoller als eine reine Steigerung der Mehrfachnutzung oder eine einseitige Fokussierung auf Erstteilnehmende.
Fehlende geschlechtsspezifische und schutzbezogene Daten begrenzen die Aussagekraft für bestimmte politische Diskussionen. Auch wenn diese Dimensionen nicht Gegenstand des Berichtsauftrags waren, zeigt ihr Fehlen einen Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung künftiger Monitoringkonzepte, sollte eine differenziertere Betrachtung gewünscht sein.
Potenzial für Skalierung und Übertragbarkeit
Reichweite. Das MEP erreicht bereits heute Unternehmen aus allen Bundesländern und allen Branchen sowie Zielmärkte auf allen Kontinenten, wobei Europa, Afrika und Asien Schwerpunkte bilden. Eine weitere Steigerung der Reichweite ist grundsätzlich möglich, wird jedoch durch die insgesamt noch ausbaufähige Bekanntheit des Gesamtprogrammportfolios bei den rund 3,8 Millionen deutschen KMU begrenzt. Eine gezielte Erweiterung des Teilnehmendenkreises, etwa durch eine orientierende Quote für Akquisitionspartner zur Gewinnung von Erstteilnehmenden, erscheint als realistischer nächster Schritt.
Institutionelle Einbettung. Die Organisationsstruktur des MEP mit klar verteilten Rollen zwischen BMWE, Geschäftsstelle bei der GTAI, BAFA, Strategiebeirat und Durchführenden ist etabliert und funktioniert nach Einschätzung aller befragten Akteursgruppen überwiegend gut. Die im Jahr 2025 vollzogene Zusammenlegung der Fachreferate für MEP und EiE innerhalb des BMWE wird von der Evaluation als positiver Schritt zur weiteren Integration bewertet und schafft eine günstige institutionelle Grundlage für eine stärkere Verzahnung der drei Fördermaßnahmen.
Ressourcen. Das Fördervolumen des MEP ist seit 2019 kontinuierlich gewachsen, bleibt jedoch im Vergleich zu den erzielten Umsatzeffekten laut Förderfaktor von 25 bis 31 Euro pro eingesetztem Fördereuro vergleichsweise gering. Eine Ausweitung der Reisekontingente wäre grundsätzlich denkbar, müsste jedoch mit einer verhältnismäßigen Ausweitung der Steuerungs- und Verwaltungskapazitäten bei Geschäftsstelle und BAFA einhergehen, da der Anteil der Steuerungs- und Verwaltungskosten bereits bei 9 bis 11 Prozent liegt und laut Bericht teilweise auf einem relativ hohen Fixkostenanteil je individuell geplanter Reise beruht.
Qualitätssicherung. Die bestehenden modulspezifischen Leitfäden und die Qualitätssicherung durch die Geschäftsstelle haben sich bewährt und tragen zu der insgesamt hohen Zufriedenheit der Teilnehmenden bei. Für eine Skalierung wäre eine systematischere Nutzung von strukturiertem Teilnehmendenfeedback in der Durchführerauswahl sowie ein Erfahrungsaustausch zu Lessons Learned unter Durchführenden sinnvoll, wobei deren Wettbewerbsverhältnis zueinander berücksichtigt werden muss.
Anpassbarkeit. Die modulare Struktur des MEP mit ihren neun Angeboten hat sich als anpassungsfähig an unterschiedliche Branchen und Zielmärkte erwiesen und bietet Potenzial für eine stärkere Integration verwandter Angebote, etwa der Energie-Geschäftsreisen der EiE oder einzelner Elemente der Branchenexpertinnen und -experten des WNA, in die MEP-Struktur. Eine solche Zusammenführung könnte laut Bericht Effizienzgewinne heben, ohne die inhaltliche Flexibilität zu beeinträchtigen.
Evidenzanforderungen. Eine belastbarere Grundlage für künftige Skalierungsentscheidungen würde ein einheitliches, digitalisiertes Monitoringkonzept über alle drei Fördermaßnahmen hinweg schaffen, das Zufriedenheit, Inanspruchnahme weiterer Angebote sowie Markteintritts-, Umsatz- und Beschäftigungseffekte konsistent und vergleichbar erfasst. Der vom BMWE bereits angestoßene Prozess zur Entwicklung eines solchen Konzepts wird von der Evaluation als richtungsweisend bewertet.
Implikationen für Politik und Programmgestaltung
Die folgenden Empfehlungen greifen die im Bericht formulierten Handlungsempfehlungen auf und ordnen sie nach Zeithorizont und Zuständigkeit.
Kurzfristig (BAFA, Durchführende, Geschäftsstelle)
Für das BAFA empfiehlt sich eine systematischere Prüfung, ob die im Angebot zugesagten Rahmenbedingungen bei realisierten Reisen eingehalten wurden. Bei festgestellten Abweichungen sollten die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten konsequent genutzt werden.
Für die Durchführenden empfiehlt sich, verfügbare Reiseinformationen frühzeitig und laufend aktualisiert bereitzustellen. Dies sollte mit einem aktiven Erwartungsmanagement zur kurzfristigen Natur lokaler Terminbestätigungen verbunden werden. Ein strukturierter Austausch zu Lessons Learned bezüglich wirksamer Formate kann Qualitätsunterschiede zwischen Reisen verringern, wobei das bestehende Wettbewerbsverhältnis zwischen den Durchführenden zu berücksichtigen ist. Zudem sollte die Weiterempfehlung von Unternehmen zu passenden Angeboten anderer Fördermaßnahmen (EiE, WNA) stärker systematisiert werden, etwa durch zentral bereitgestelltes Informationsmaterial im Zuge oder zum Abschluss von Reisen.
Für die Geschäftsstelle des MEP (GTAI) empfiehlt sich eine Prüfung, ob eine Datenplattform im Sinne eines CRM-Systems, wie sie für die EiE bereits existiert, auf das MEP ausgeweitet werden kann, um den administrativen Aufwand für mehrfach teilnehmende Unternehmen zu reduzieren und Synergien mit anderen Fördermaßnahmen sichtbar zu machen.
Mittelfristig (BMWE, GTAI/MEP-Geschäftsstelle)
Für das BMWE empfiehlt sich die Fortsetzung und Priorisierung des bereits angestoßenen Prozesses zur Entwicklung eines einheitlichen, digital gestützten Monitoringkonzepts über MEP, EiE und WNA hinweg, das ein konsistentes Indikatorenset zu Zufriedenheit, Mehrfachnutzung, Markteintritt, Umsatz- und Beschäftigungseffekten umfasst. In diesem Zuge sollte geprüft werden, ob eine geschlechtsspezifische Erfassungskategorie sowie eine längerfristige Nachbefragung jenseits der Sechs-bis-Acht-Monatsfrist aufgenommen werden können, um die in dieser Synthese benannten Evidenzlücken zu schließen.
Für die GTAI/MEP-Geschäftsstelle empfiehlt sich eine Prüfung, ob und wie eine gezielte Erweiterung des Teilnehmendenkreises, etwa durch eine orientierende Selbstverpflichtungsquote für Akquisitionspartner zur Gewinnung von Erstteilnehmenden, umsetzbar ist, ohne die Durchführung geplanter Reisen bei ausbleibender Erstteilnehmendengewinnung zu gefährden. Ergänzend sollte die Bekanntheit des Angebotsportfolios durch gebündelte, personalisierte Kommunikationsformate und eine stärkere Nutzung von Erfahrungsberichten und Erfolgsgeschichten von Teilnehmenden ausgebaut werden.
Strategisch (BMWE, GTAI/MEP-Geschäftsstelle, BAFA gemeinsam)
Gemeinsam sollten BMWE, Geschäftsstelle und BAFA die stärkere Verzahnung der drei Fördermaßnahmen MEP, EiE und WNA vorantreiben, einschließlich einer Prüfung, ob thematisch verwandte Angebote wie die Energie-Geschäftsreisen der EiE stärker in die MEP-Struktur integriert werden können, um Übersichtlichkeit für die Zielgruppe und Effizienz in der Steuerung zu erhöhen.
Es sollte strategisch geprüft werden, ob künftig eine gezieltere Priorisierung von Branchen und Zielmärkten erfolgt, insbesondere angesichts perspektivisch knapper werdender Haushaltsmittel, wobei die Unternehmensnachfrage und politische Prioritäten, etwa aus dem aktuellen Koalitionsvertrag, als Orientierungsgrößen dienen können.
Langfristig sollte eine verständliche, sowohl im Inland als auch im Ausland tragfähige Dachmarke anstelle der aktuellen Bezeichnung Mittelstand Global etabliert werden, die die positiven Assoziationen des Auftritts unter der Bundesflagge gezielt nutzt.
Schließlich sollte strategisch geprüft werden, inwieweit künftige Evaluationszyklen eine geschlechtsspezifische Datenerhebung und, sofern politisch gewünscht, eine Prüfung entlang konfliktsensibler und menschenrechtlicher Referenzrahmen vorsehen. Dies wäre eine bewusste Erweiterung des Untersuchungsauftrags und keine Kritik an der vorliegenden Evaluation, die diesen Auftrag nicht hatte.
Weiterführende Ressourcen und Links
BMWE, Programmseite Markterschließungsprogramm: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Mittelstand/markterschliessungsprogramm-fuer-kleine-und-mittlere-unternehmen.html
GTAI, Programmseite Markterschließungsprogramm: https://www.gtai-exportguide.de/de/auslandsmaerkte/markterschliessungsprogramm/ueber
GTAI, Projektübersicht Markterschließungsprogramm: https://www.gtai-exportguide.de/de/auslandsmaerkte/markterschliessungsprogramm/projekte
Ramboll Management Consulting, gesellschaftliche Auswirkungen und Politik: https://www.ramboll.com/de-de/unternehmensberatung/gesellschaftliche-auswirkungen-politik
BAFA, Programmseite Markterschließungsprogramm KMU: https://www.bafa.de/DE/Wirtschaft/Auslandsmarkterschliessung/Markterschliessungsprogramm_KMU/markterschliessungsprogramm_kmu_node.html
Frühere Evaluation des MEP aus dem Jahr 2016: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Downloads/M-O/mep-abschlussbericht-lang.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Zitierweise des Berichts
Beckmann, Leonie, et al. Evaluation der Fördermaßnahmen Exportinitiative Energie (EiE), Markterschließungsprogramm (MEP), Wirtschaftsnetzwerk Afrika (WNA): Abschlussbericht. Ramboll Management Consulting GmbH, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, März 2026.