Die zentrale Projektevaluierung des globalen GIZ-Vorhabens „Konzepte für eine nachhaltige Siedlungsabfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft“ (2016 bis 2022, Fördervolumen 24,73 Millionen Euro) attestiert dem Vorhaben eine insgesamt erfolgreiche Umsetzung (82 von 100 Punkten, Stufe 2: erfolgreich). Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie kofinanziert durch die Delegation der Europäischen Union in Thailand unterstützte das Projekt Partnerregierungen, internationale Organisationen, die Privatwirtschaft und die Zivilgesellschaft dabei, ressourcenschonende und klimafreundliche Konzepte der Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft in politische Prozesse einzubringen (GIZ 2025). Besonders wirksam erwiesen sich praxisnahe Instrumente wie das Waste Flow Diagram und die Extended Producer Responsibility (EPR) Toolbox, die in über hundert beziehungsweise mehreren Dutzend Ländern beziehungsweise Vorhaben zur Anwendung kamen. Die von der GIZ initiierte PREVENT Waste Alliance wuchs auf über 350 Mitgliedsorganisationen an und etablierte sich als anerkannte Vernetzungsplattform für zirkuläres Wirtschaften. Gleichzeitig zeigen sich Grenzen: Da das Projekt sehr weit oben im entwicklungspolitischen Wirkungsgefüge ansetzte, blieben Wirkungen (Stufe 3: mäßig erfolgreich, 78 Punkte) und Nachhaltigkeit (Stufe 3: mäßig erfolgreich, 70 Punkte) hinter Relevanz, Kohärenz, Effektivität und Effizienz zurück, die jeweils als erfolgreich bewertet wurden. Die Pilot-, Demonstrations und Innovationsprojekte lieferten überzeugende Konzeptnachweise, wurden jedoch nicht systematisch in eine vorab identifizierte Nachfrage eingebettet, wodurch ihre Replikation dem Zufall überlassen blieb. Für das Nachfolgevorhaben Go Circular empfiehlt die Evaluierung eine schärfere Zielstruktur, eine stärkere politische Flankierung sowie den Verbleib der PREVENT Waste Alliance innerhalb der GIZ Struktur.
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Kontext
Der globale Abfallberg wächst ungebremst und gefährdet zunehmend städtische Lebensräume, die Biodiversität von Land und Meer sowie die menschliche Gesundheit, unter anderem durch Schadstoffe wie Blei, Methan und Mikroplastik (Engelsman und Bonnard 2025). Vor diesem Hintergrund beauftragte das BMZ die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit dem globalen Sektorvorhaben „Konzepte für eine nachhaltige Siedlungsabfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft“ (Projektnummer 2016.2156.4), das von Juli 2016 bis Dezember 2022 lief. Das Vorhaben ist die direkte Fortführung eines Vorgängerprojekts (2014 bis 2016) und deckte inhaltlich urbane Abfallwirtschaft, Elektroschrott, Meeresmüll und die Kreislaufwirtschaft nach dem 3R-Prinzip (Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln) ab.
Direkte Zielgruppen waren das BMZ selbst sowie öffentliche, private und zivilgesellschaftliche Akteure der Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft, internationale Organisationen und Partnerregierungen. Als indirekte Zielgruppen fungierten weitere deutsche Bundesministerien, Regierungen aus Industrie- und Entwicklungsländern, internationale politische Foren wie die G7 und G20 sowie ein breiteres Spektrum öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Akteure. Geografisch war das Vorhaben global angelegt, mit einem regionalen Schwerpunkt in Südostasien durch die EU kofinanzierte Komponente Rethinking Plastics (Thailand, Indonesien, die Philippinen, Vietnam, China) sowie weiteren Aktivitäten in Afrika (unter anderem Kenia, Nigeria, Tansania) und Lateinamerika (unter anderem Brasilien, Mexiko, Kolumbien).
Die strategische Relevanz des Vorhabens ergibt sich aus der zunehmenden internationalen Priorisierung von Kreislaufwirtschaft und Meeresmüllvermeidung, etwa durch die Agenda 2030, die Baseler Konvention, mehrere Resolutionen der Umweltversammlung der Vereinten Nationen sowie G7- und G20-Aktionspläne. Gleichzeitig wird die entwicklungspolitische Herausforderung dadurch verschärft, dass das Thema Kreislaufwirtschaft international und national gegenüber dem Klimaschutz und der sogenannten Just Transition an Priorität verliert und in vielen Partnerländern kein unmittelbarer politischer Mehrwert gesehen wird.
Überblick über die Intervention
Das übergeordnete Projektziel lautete, evidenzbasierte Konzepte für eine ressourceneffiziente, klimafreundliche und skalierbare Siedlungsabfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft in nationale und internationale politische Prozesse sowie in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu integrieren. Das Vorhaben verfolgte hierzu einen vierteiligen strategischen Ansatz:
Erstens beriet das Projekt das BMZ mit fachlicher Expertise bei internationalen Verhandlungen und Positionsbestimmungen. Zweitens entwickelte und verbreitete es gemeinsam mit Unternehmen, Beratungsfirmen, Forschungseinrichtungen und internationalen Organisationen praktische Arbeitshilfen, darunter das Waste Flow Diagram (WFD) und die Extended Producer Responsibility (EPR) Toolbox. Drittens setzte das Projekt 26 Pilotprojekte, acht Demonstrationsprojekte und drei Innovationsprogramme um, um Konzeptnachweise (Proofs of Concept) für nachhaltige Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft zu erbringen. Viertens gründete und betrieb das Projekt die PREVENT Waste Alliance, ein globales Multi-Akteurs-Netzwerk zur Förderung von Zusammenarbeit und Innovation.
Das Budget wuchs im Projektverlauf durch sieben Anpassungen von ursprünglich 1,9 Millionen Euro auf 24,73 Millionen Euro, finanziert durch das BMZ (17,73 Millionen Euro) und die EU-Delegation in Thailand (7 Millionen Euro, zweckgebunden für Pilotprojekte gegen Meeresmüll in Südostasien). Die Personalstärke stieg von vier auf 23 Teammitglieder. Ein besonderes Merkmal des Vorhabens ist seine hybride Rolle: Es kombinierte beratende Funktionen gegenüber dem BMZ mit operativer Projektumsetzung vor Ort, was in der Evaluierung als für ein Sektorvorhaben ungewöhnlich breite Kombination hervorgehoben wird. Als besonders innovativ gilt die PREVENT Waste Alliance, die innerhalb weniger Jahre auf über 350 Mitgliedsorganisationen anwuchs und dabei überwiegend private Akteure (70 Prozent), aber auch Zivilgesellschaft, Wissenschaft und öffentliche Institutionen zusammenbrachte.
Evidenz: Was funktioniert hat
Die Evaluierung bewertet vier der sechs OECD/DAC-Kriterien als erfolgreich (Stufe 2): Relevanz (89 von 100 Punkten), Kohärenz (82 Punkte), Effektivität (88 Punkte) und Effizienz (85 Punkte). Auf der Output-Ebene wurden sämtliche fünf formalen Ergebnisindikatoren des Projekts deutlich übertroffen, etwa mit 56 statt der geplanten 30 Beiträge zu internationalen politischen und Fachprozessen (187 Prozent Zielerreichung) oder 15 statt 5 Institutionen, die vom Projekt mitentwickelte Arbeitshilfen nutzten (300 Prozent Zielerreichung) (Engelsman und Bonnard 2025).
Auf Outcome-Ebene identifizierte die Evaluierung zahlreiche konkrete Beispiele der Nutzung von Projektergebnissen durch Dritte. Das vietnamesische Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt nutzte die EPR Toolbox zur Ausarbeitung seines Umweltschutzgesetzes und des zugehörigen Dekrets Nummer 8. Die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformkommission führte EPR-Pilotversuche in der Papierverpackungs- und Automobilindustrie ein. Der WWF entwickelte auf Basis der EPR Toolbox einen offenen Onlinekurs und nutzt das Instrument in einem globalen Projekt in zehn Ländern. UN-Habitat und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) setzten das WFD in über 100 Vorhaben zur Bewertung städtischer Abfallwirtschaftssysteme ein. Die Stadtregierung von Mombasa entschied sich, basierend auf der Anwendung des WFD, gegen den Ausbau einer Müllverbrennungsanlage und für den Aufbau einer Wertstoffrückgewinnungsanlage. Das chinesische Landwirtschaftsministerium führte 2022 ein neues Subventionsprogramm im Umfang von 20 Millionen Euro für dickere, besser recycelbare Mulchfolien auf über 3,5 Millionen Hektar Ackerfläche ein, aufbauend auf Erfahrungen aus dem Rethinking-Plastics-Pilotprojekt.
Die Evaluierung unterscheidet zwischen Outputs (Konzepte, Werkzeuge, Berichte), Outcomes (Nutzung dieser Konzepte durch Partnerländer, internationale Organisationen und GIZ-Projekte in politischen Prozessen) und längerfristigen Wirkungen (Entscheidungen zur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung sowie Replikation von Pilotansätzen). Auf der Wirkungsebene wurden ebenfalls mehrere Fälle dokumentiert, in denen Pilotansätze repliziert oder ausgeweitet wurden, etwa die Übernahme der PREVENT-Herausforderung zu Einwegplastik durch die Provinzregierung von Goa (Indien) oder die Fortführung des Mulchfolien-Ansatzes im Sino-German-Projekt zur Modernisierung des Plastikmanagements in der Landwirtschaft.
Wirkungen
Die überprüften Wirkungshypothesen wurden überwiegend teilweise bestätigt (partly confirmed). Die zentrale Wirkungslogik des Projekts, wonach informierte Akteure Konzepte übernehmen und dadurch eine kritische Masse für einen breiteren Wandel erzeugen, griff am deutlichsten dort, wo bereits Interesse, Kapazität und politischer Wille bei den Partnern vorhanden waren, etwa beim chinesischen Landwirtschaftsministerium oder bei der vietnamesischen Hafenverwaltung Vinamarine. Von der Intervention profitierten in erster Linie institutionelle Multiplikatoren wie UN-Habitat, UNEP, WWF und nationale Ministerien sowie eine kleine, aber aktive Gruppe von Sozialunternehmerinnen und Sozialunternehmern, Forschungseinrichtungen und Beratungsfirmen, die sich in der PREVENT Waste Alliance organisierten. Die Nachhaltigkeit dieser Effekte ist different: Ko-Entwickelnde von Werkzeugen wie der EPR Toolbox verfügen überwiegend über die Kapazität und das Eigeninteresse, ihre Arbeit fortzuführen, während viele lokale Umsetzungspartner der Pilotprojekte auf weitere Unterstützung angewiesen bleiben. Als unerwartete positive Wirkung wertet die Evaluierung implizit die rasante Mitgliederentwicklung der PREVENT Waste Alliance; explizit ausgewiesene unerwartete negative Wirkungen wurden von den befragten Schlüsselinformantinnen und -informanten nicht berichtet, wobei die Evaluierung anmerkt, dass kein systematisches Monitoring unbeabsichtigter Wirkungen, etwa im Sinne der GIZ-eigenen KOMPASS-Konfliktsensibilitätsstudie, stattfand.
Evidenz: Was nicht funktioniert hat
Die Wirkungsebene (Impact) wird mit 78 von 100 Punkten nur als mäßig erfolgreich (Stufe 3) bewertet. Ursächlich hierfür ist die Positionierung des Projekts sehr weit oben im entwicklungspolitischen Wirkungsgefüge: Es bot Instrumente, Expertise und Konzeptnachweise an, ohne selbst Einfluss auf deren nachgelagerte Umsetzung zu haben. Die Evaluierenden verwenden das Bild des Tontaubenschießens mit Schrotmunition, um zu verdeutlichen, dass die schiere Breite des Projekts über vier Sektoren, vier strategische Ansätze und rund drei Dutzend Pilotvorhaben zwangsläufig einzelne Treffer erzeugte, ohne dass dies zwingend auf eine gezielte Strategie zurückzuführen wäre.
Ein zentrales strukturelles Defizit betrifft die fehlende Einbettung der Pilot-, Demonstrations- und Innovationsprojekte in eine im Vorfeld identifizierte, qualifizierte Nachfrage. Die Evaluierung stellt fest, dass die meisten dieser rund 37 Vorhaben zwar technisch und geschäftlich überzeugende Konzeptnachweise erbrachten, jedoch kaum über eine erkennbare Anschlussfinanzierung oder Replikation verfügten. Beispiele für gescheiterte oder ins Stocken geratene Ansätze sind die Einführung einer digitalen Essensbestell-App mit umweltfreundlicher Verpackung in Phuket (Thailand), die mangels Sponsoren eingestellt wurde, sowie ein Kompensationsmechanismus für die informelle Elektroschrottsammlung in Nigeria, der von nationalen und lokalen Behörden nicht aufgegriffen wurde.
Auch die Nachhaltigkeitsbewertung (70 von 100 Punkten, Stufe 3) verweist auf strukturelle Schwächen. Die Mehrheit der befragten Umsetzungspartnerinnen und -partner bewertete die Kapazität von Politikerinnen und Politikern sowie politischen Entscheidungsträgern in den Partnerländern, die Abfallherausforderung zu bewältigen, als unzureichend oder höchst unzureichend (64 Prozent), ebenso die Bereitschaft, öffentliche Mittel bereitzustellen (74 Prozent). Die PREVENT Waste Alliance selbst bleibt trotz ihres Erfolgs strukturell von der finanziellen Unterstützung durch BMZ und GIZ abhängig; ein Rückzug staatlicher Förderung würde nach Einschätzung der Evaluierenden die Existenz des Netzwerks ernsthaft gefährden.
Auf konzeptioneller Ebene kritisiert die Evaluierung zudem, dass die Zielformulierung des Projekts derart unspezifisch gehalten war, dass sie kaum überprüfbar wurde. Drei der fünf formalen Outcome-Indikatoren maßen tatsächlich Aktivitäten und Outputs statt echter Wirkungen auf Outcome-Ebene, was eine belastbare Erfolgsmessung erschwerte.
Perspektiven der Stakeholder
Die Evaluierung stützt sich auf 105 befragte Personen aus Geberorganisationen, GIZ, direkten und indirekten Zielgruppen sowie weiteren Interessengruppen, ergänzt durch mehrere Online-Befragungen. Sämtliche befragten Schlüsselinformantinnen und -informanten beschrieben das Projektteam unabhängig voneinander als kompetent, gut organisiert, kollaborativ, transparent und angenehm in der Zusammenarbeit. Umsetzungspartnerinnen und -partner der Pilot- und Demonstrationsprojekte bewerteten die Unterstützung des Projekts hinsichtlich Wissenstransfer, Zeitaufwand, Finanzierung und Ergebnisverbreitung mehrheitlich als zufriedenstellend bis sehr zufriedenstellend.
Als vertiefende Fallstudien wählte das Evaluierungsteam gezielt zwei besonders erfolgreiche und zwei weniger erfolgreiche Konzepte sowie je zwei Pilot-, Demonstrations- und Innovationsprojekte aus einer stratifizierten Zufallsstichprobe aus, um ein möglichst ausgewogenes Bild zu erhalten. Ergänzend wurden Online-Befragungen unter Umsetzungspartnerinnen und -partnern von 14 weiteren Pilot- und 6 weiteren Demonstrationsprojekten sowie unter Nutzerinnen und Nutzern der EPR Toolbox durchgeführt.
Mitgliedsorganisationen der PREVENT Waste Alliance, überwiegend Sozialunternehmerinnen und -unternehmer, Forschungseinrichtungen und Beratungsfirmen, hoben insbesondere den Netzwerkcharakter und die sogenannten Matchmaking-Events als wertvoll hervor. Gleichzeitig wurde die geringe aktive Beteiligung großer Konzerne bemängelt, ein Effekt, der laut einer zitierten Aussage darauf zurückgeführt wird, dass die Allianz vor allem „Lösungsentwicklerinnen und -entwickler, nicht Lösungssuchende“ anziehe. In Tansania berichteten nationale Partner, konkret die Aufsichtsbehörde für Umweltmanagement (NEMC), dass sie zwar die vom Projekt entwickelte Prüfliste für Elektroschrottimporte weiter nutzen wollen, jedoch zusätzliche Unterstützung zur Durchsetzung der entsprechenden Maßnahmen benötigen. In Indonesien äußerte der Partner Waste4Change die Sorge, dass das Engagement privater Haushalte beim Recycling ohne fortgesetzte Unterstützung nachlassen könnte.
Gender
Der Bericht weist geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselte Beteiligungsdaten für die Evaluierung selbst aus: Von insgesamt 105 einbezogenen Personen waren 55 Frauen, was einem Anteil von rund 52 Prozent entspricht, mit Schwankungen zwischen den Stakeholder-Gruppen (rund 57 Prozent Frauenanteil bei GIZ-Mitarbeitenden und Projektpartnern, rund 44 Prozent bei direkten Zielgruppen). Auf Projektebene bestand eine für Gleichstellungsfragen zuständige Ansprechperson (Gender-Referentin beziehungsweise Gender-Referent), und bei Veranstaltungen wurde auf eine ausgewogene Teilnahmequote geachtet. Die Evaluierung stellt jedoch fest, dass die Genderdimension in den Pilot- und Demonstrationsprojekten vor Ort nicht systematisch berücksichtigt wurde. Einer der formalen Ergebnisindikatoren des Projekts verlangte ausdrücklich, dass Pilotmaßnahmen zur Vermeidung von Meeresmüll und Plastikabfällen „gemäß den Grundsätzen des Gender Mainstreaming“ umgesetzt werden; dieser Indikator wurde mit 30 von 25 geplanten Maßnahmen zu 120 Prozent erreicht, jedoch ohne dass die Evaluierung eine qualitative Einschätzung zur tatsächlichen Genderwirkung dieser Maßnahmen vornehmen konnte. Positiv hervorgehoben wird ein Foto- und Dokumentationsbeispiel aus Indonesien, das Frauen beim Sortieren von Plastikflaschenverschlüssen in einem Recyclingbetrieb zeigt und exemplarisch für die Rolle von Frauen in informellen Recyclingketten steht.
Schutzstandards (Safeguards)
Im Rahmen der Kohärenzprüfung untersuchte die Evaluierung systematisch sogenannte eskalierende Faktoren und trennende Faktoren im Projektkontext. Korruption im Abfallsektor wurde als relevanter Risikofaktor identifiziert, jedoch nach Einschätzung der Evaluierenden vom Projekt nicht gezielt adressiert. Demgegenüber berücksichtigte das Projektdesign explizit potenzielle menschenrechtliche Implikationen im Zusammenhang mit vulnerablen Bevölkerungsgruppen im informellen Abfallsektor, etwa informellen Müllsammlerinnen und Müllsammlern, denen ein diskriminierungsfreier Zugang zu nachhaltigen Abfallwirtschaftssystemen ermöglicht werden sollte. Konkrete Umsetzungsbeispiele hierzu sind ein im Rahmen der EPR Toolbox erstelltes Factsheet zur Einbindung des informellen Sektors sowie die Zusammenarbeit des Rethinking-Plastics-Projekts mit informellen Beschäftigten zu Arbeitssicherheit und deren Verankerung in der Kommunalpolitik der Philippinen. Das Projekt reagierte zudem nachweislich konfliktsensibel und anpassungsfähig auf zwei wesentliche externe Schocks während der Laufzeit, nämlich die Covid-19-Pandemie und personelle sowie strukturelle Diskontinuitäten innerhalb des BMZ, wofür die Anpassungsfähigkeit des Projekts in der Relevanzbewertung die volle Punktzahl erhielt.
Methodische Hinweise
Die Evaluierung wurde von zwei unabhängigen internationalen Gutachtenden, Geert Engelsman (JaLogisch Consulting GmbH) und Sophie Bonnard, im Auftrag der GIZ-Unabhängigen Stabsstelle Evaluierung als abschließende zentrale Projektevaluierung durchgeführt, mit einer Evaluierungsmission vom 30. Januar bis 10. Februar 2023. Aufgrund der qualitativen Natur des Projektziels, der Mehrdimensionalität des Projektdesigns und des retrospektiven Charakters der Evaluierung wählte das Team einen qualitativen Untersuchungsansatz, bestehend aus Dokumentenanalyse, leitfadengestützten Interviews mit Schlüsselinformantinnen und -informanten sowie mehreren Online-Befragungen, ergänzt um eine theoriebasierte Beitragsanalyse (Contribution Analysis nach Mayne) zur Überprüfung der vier Ergebnishypothesen und zwei Wirkungshypothesen des Projekts.
Die Evaluierung benennt selbst mehrere wesentliche Einschränkungen: Die fünf formalen Outcome-Indikatoren des Projekts waren größtenteils output- statt wirkungsorientiert formuliert, sodass eine standardisierte quantitative Erfolgsmessung nicht möglich war und stattdessen ein qualitatives Urteil gefällt wurde. Angesichts der außergewöhnlichen Breite des Projekts, das über 30 Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie mehr als 350 Mitgliedsorganisationen der PREVENT Waste Alliance umfasste, konnte die Evaluierung nur eine begrenzte, wenngleich methodisch sorgfältig ausgewählte Stichprobe vertieft untersuchen. Die Wirkungsanalyse stützt sich zudem auf zwei bewusst als „relativ schwach“ bezeichnete Proxy-Indikatoren, nämlich ob das Projekt politische Entscheidungen beeinflusste und ob seine Konzeptnachweise repliziert beziehungsweise skaliert wurden, da keine vorab definierten Wirkungsindikatoren existierten. Die Evaluierung weist außerdem darauf hin, dass sie die Beiträge des unmittelbaren Vorgängerprojekts (2014 bis 2016) nicht trennscharf von denen des bewerteten Vorhabens unterscheiden konnte.
Wichtige Datenpunkte und Indikatoren
Gesamtbewertung nach OECD/DAC-Kriterien (jeweils von 100 möglichen Punkten):
| Kriterium | Punktzahl | Bewertungsstufe |
| Relevanz | 89 | Stufe 2: erfolgreich |
| Kohärenz | 82 | Stufe 2: erfolgreich |
| Effektivität | 88 | Stufe 2: erfolgreich |
| Wirkung (Impact) | 78 | Stufe 3: mäßig erfolgreich |
| Effizienz | 85 | Stufe 2: erfolgreich |
| Nachhaltigkeit | 70 | Stufe 3: mäßig erfolgreich |
| Gesamtbewertung | 82 | Stufe 2: erfolgreich |
Weitere zentrale Kennzahlen: 26 Pilotprojekte, 8 Demonstrationsprojekte und 3 Innovationsprogramme; über 350 Mitgliedsorganisationen der PREVENT Waste Alliance (Stand Dezember 2022, gegenüber 220 sechs Monate zuvor); Anwendung des Waste Flow Diagram in über 100 von GIZ, UNEP oder UN-Habitat unterstützten Vorhaben; 65 Prozent der befragten Projektumsetzenden bewerteten die Bereitschaft ihres Landes zur Replikation der Projektergebnisse als hoch oder sehr hoch.
Erkenntnisse (Lessons Learned)
Ein zentrales Lernergebnis betrifft die Notwendigkeit, Pilot- und Demonstrationsvorhaben von Beginn an in eine konkrete, bereits bestehende Nachfrage einzubetten, statt Konzeptnachweise erst nachträglich an potenziell interessierte Akteure heranzutragen. Die Evaluierung stellt fest, dass genau diese fehlende Vorab-Einbettung den entscheidenden limitierenden Faktor für Replikation und Skalierung darstellte.
Ein weiteres Lernergebnis betrifft die Rollenverteilung zwischen technischer Beratung und politischer Gestaltung. Die Evaluierung beobachtet, dass das BMZ strikt zwischen seinem eigenen politischen Mandat und der technischen Beratungsleistung der GIZ trennt, obwohl beide Dimensionen in der Praxis eng miteinander verflochten sind. Als Referenzbeispiel wird der Wassersektor angeführt, in dem GIZ und KfW Entwicklungsbank durch die Kombination aus fachlicher Neutralität und Finanzierungsmacht erfolgreich politische Dialoge angestoßen haben.
Zudem zeigt die Erfahrung mit der PREVENT Waste Alliance, dass ein aus gemeinsamem Interesse getragenes Multi-Akteurs-Netzwerk zwar erhebliches Engagement und rasches Wachstum erzeugen kann, dessen institutionelle Kernfinanzierung jedoch kaum von den beteiligten Mitgliedsorganisationen selbst getragen werden kann, da deren Eigeninteresse spezifisch und themenbezogen, nicht jedoch auf den Betrieb einer Dachorganisation ausgerichtet ist.
Schließlich verdeutlicht der Vergleich zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Pilotvorhaben, dass der entscheidende Unterschied im vorab vorhandenen Engagement zentraler Partner lag, etwa des chinesischen Landwirtschaftsministeriums oder der vietnamesischen Hafenverwaltung, während Vorhaben ohne einen solchen institutionellen Rückhalt, etwa in Thailand und Nigeria, ins Stocken gerieten.
Potenzial für Skalierung und Übertragbarkeit
Die von der Evaluierung am eindeutigsten als übertragbar bewerteten Elemente sind praxisnahe, modular einsetzbare Instrumente wie das Waste Flow Diagram und die EPR Toolbox, deren Übertragbarkeit sich bereits empirisch durch ihre breite Anwendung in unterschiedlichsten Länderkontexten belegen lässt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Skalierung ist dabei, dass die übernehmenden Institutionen, etwa UN-Habitat oder der WWF, über ein eigenes Mandat, Kapazitäten und ein originäres Interesse an der Nutzung verfügen; die Evaluierung betont, dass das Projekt seine Kooperationspartner in dieser Hinsicht klug ausgewählt hat.
Weniger klar übertragbar sind hingegen die zahlreichen kleinteiligen Pilot- und Demonstrationsprojekte, die aufgrund ihrer geringen Größe und kurzen Laufzeit von meist einem Jahr strukturell selten die notwendige institutionelle Verankerung erreichten, um eigenständig zu skalieren. Für das Nachfolgeprojekt Go Circular, das seit Juli 2022 mit einer geplanten Laufzeit von zwei Jahren und einem Fokus auf Ghana, Kolumbien und Vietnam läuft, empfiehlt die Evaluierung ausdrücklich, künftige Pilotvorhaben von vornherein an eine bereits qualifizierte Nachfrage zu koppeln und die drei Partnerländer als Sprungbrett für eine regional breitere Einführung von Kreislaufwirtschaftsansätzen zu nutzen.
Zentrale Rahmenbedingung für eine Skalierung auf politischer Ebene bleibt laut Evaluierung die ungelöste Frage, wie Politikerinnen, Politiker und Unternehmen dazu bewegt werden können, notwendige regulatorische und fiskalische Maßnahmen tatsächlich zu beschließen und umzusetzen, da das grundsätzliche fachliche „Was“ der Kreislaufwirtschaft bereits gut erforscht ist, während am „Wie“ der politischen Umsetzung weiterhin Kapazität und Verbindlichkeit fehlen. Die Evaluierung empfiehlt hierzu einen verstärkten politischen Arbeitsstrang in enger Abstimmung mit dem BMZ, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), der EU sowie nationalen und lokalen Partnerregierungen.
Bezüglich der PREVENT Waste Alliance rät die Evaluierung entgegen der ursprünglichen Absicht, das Netzwerk zu verselbstständigen, ausdrücklich dazu, es weiterhin fest innerhalb der GIZ-Struktur und BMZ-Finanzierung zu belassen, solange die Kreislaufwirtschaft noch nicht im politischen und wirtschaftlichen Mainstream angekommen ist. Begründet wird dies mit der bereits unübersichtlichen internationalen Landschaft konkurrierender Initiativen, der unrealistischen Erwartung einer eigenständigen Finanzierung durch die Mitgliedsorganisationen sowie dem strukturellen Wettbewerbsvorteil, den die Allianz aus der Einbindung in GIZ zieht, insbesondere durch deren Konvenierungsmacht, technische Reputation und Zugang zu nationalen und lokalen Regierungsinstitutionen.
Für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Geldgeber und Durchführungsorganisationen lassen sich daraus folgende handlungsleitende Empfehlungen ableiten: Erstens sollten künftige Sektor- und Globalvorhaben von Beginn an über spezifische, ambitionierte und auf Outcome-Ebene formulierte Zielindikatoren verfügen statt output-orientierter Ersatzindikatoren. Zweitens sollten Pilotvorhaben systematisch an bereits bestehende Nachfragestrukturen und Multiplikatorennetzwerke gekoppelt werden, bevor sie initiiert werden. Drittens sollte die politische Dimension von Transformationsprozessen wie der Kreislaufwirtschaft explizit als eigener Arbeitsstrang neben der technischen Beratung mitgedacht werden. Viertens sollten multi-akteurs-getragene Netzwerke wie PREVENT so lange in der institutionellen Trägerstruktur der Durchführungsorganisation verbleiben, wie ihre finanzielle Eigenständigkeit realistischerweise nicht gesichert werden kann.
Weiterführende Ressourcen und Links
Durchführende Organisation:
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Projektseite
Mittelgeber und Finanzierungspartner:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Europäische Union, Delegation in Thailand
Beratungsunternehmen und Evaluatoren:
JaLogisch Consulting GmbH
Verwandte Projekte und Wissensplattformen:
PREVENT Waste Alliance
GIZ Nachfolgeprojekt Go Circular
GIZ Fachbereich Kreislaufwirtschaft
GIZ Zentrale Projektevaluierungen
Zitierweise des Berichts
Engelsman, Geert, und Sophie Bonnard. Central Project Evaluation: Concepts for Sustainable Solid Waste Management and Circular Economy, Global Project, Project Number 2016.2156.4. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, 2025, www.giz.de/en/downloads/giz2025-en-projectevaluation-concepts-for-sustainable-solid-waste-management-and-circular-economy-globe.pdf.