Remote-Evaluation – Handreichung der Gesellschaft für Evaluation DeGEval

Handreichung Remote-Evaluation. Aus der Praxis für die Praxis
Diskussionspapier der Arbeitsgruppe Remote-Evaluation des Arbeitskreises Evaluation von Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe der Gesellschaft für Evaluation e.V. (DeGEval)
Oktober 2021
Download: https://www.degeval.org/arbeitskreise/entwicklungspolitik-und-humanitaere-hilfe/veroeffentlichungen/

Remote-Evaluationen zählen seit der COVID-19 Pandemie in 2020 zur Alltagspraxis der Evaluation von Programmen der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe. Mit Remote- und Semi-Remote-Evaluationen sind „ferngesteuerte“ Evaluationen gemeint ohne Gutachterteams vor Ort, beziehungsweise „teilferngesteuert“ nur mit nationalen Evaluator*innen vor Ort. Praktiker*innen haben in dieser Handreichung Tipps und Anregungen für die Planung und Durchführung zusammengestellt. Das Dokument richtet sich an Evaluator*innen und Auftraggebende.

Bis zum Jahr 2019 wurden Remote-Evaluationen überwiegend in Ländern mit fragilem Kontext sowie bei Länder- und Kontinent-übergreifenden Projekten eingesetzt. Mit Beginn der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 haben sich die Vor-Ort Reisen von internationalen und nationalen Evaluator*innen sehr stark reduziert, während sich die Anzahl der Remote-Evaluationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und der Humanitären Hilfe sehr stark erhöht hat. Seit 2020 arbeiten viele Evaluator*innen, Organisationen, Institutionen und Forschungseinrichtungen an einer Verbesserung des Vorgehens bei Remote-Evaluationen.

Wird der Begriff der Remote-Evaluation betrachtet, kann zuerst die Bedeutung des Wortes “remote” definiert werden: Remote wird genutzt “to refer to an activity that is done away from the place where it usually happens, especially by means of technology”. Im Kontext von Evaluationen nutzt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die folgende Definition: Mit Remote- und Semi-Remote-Evaluationen sind „‘ferngesteuerte‘ Evaluierungen gemeint ohne Gutachterteams vor Ort, beziehungsweise ‚teilferngesteuert‘ nur mit nationalen Evaluator*innen vor Ort“. In diesem Verständnis werden die Begriffe auch in der vorliegenden Leitlinie genutzt. Grundsätzlich schließt der Begriff RemoteEvaluation auch den Begriff der Semi-Remote-Evaluation mit ein. In Fällen, in denen es unklar sein könnte, ob beide Formen, also die der Semi-Remote und die der Remote-Evaluation gemeint sind, haben wir die Formulierung (Semi-)Remote-Evaluation verwendet.

Die vor und während der Pandemie gemachten Erfahrungen lassen erwarten, dass Remote- und Semi-Remote-Evaluationen bzw. die mit ihnen eingeführten Techniken und Vorgehensweisen auch nach der COVID-19 Pandemie weiter genutzt werden, da sie durchaus Vorteile mit sich bringen. Vorzüge sind u.a. die Integration weiterer digitaler Kommunikations- und Erhebungsinstrumente in das Standard-Repertoire für Evaluationen, ein stärkerer Einsatz nationaler Evaluator*innen und ein Beitrag zum Umweltschutz aufgrund weniger Flüge und Reisen. Nicht zuletzt zeigte sich im Rahmen der Remote-Evaluationen die Notwendigkeit gut ausgebildeter Evaluationskompetenzen und -systeme in Partnerländern, da neue Rollen ausgefüllt werden mussten und somit die zunehmende Bedeutung von Evaluation Capacity Development (ECD).

Die vorliegende Handreichung der Arbeitsgruppe Remote-Evaluation des Arbeitskreises Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (AK-Epol-HuHi) der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval) fasst neue Erfahrungen mit Remote-Evaluationen für den deutschsprachigen Kontext zusammen. Sie soll eine Hilfestellung für Evaluator*innen und Auftraggebende aus der Praxis für die Praxis mit Tipps und Empfehlungen sein, indem es von den Anforderungen staatlicher und privater bzw. zivilgesellschaftlicher Auftraggeber*innen aus dem deutschsprachigen Raum ausgeht.

Die Handreichung ersetzt keine Einführung in das methodische Vorgehen bei Evaluationen, sondern ergänzt Wissen und Erfahrungen zur Vorgehensweise bei Remote- und Semi-Remote-Evaluationen. Hier wird auf den methodischen Grundsätzen, d.h. den DeGEval-Standards für Evaluation und der Erfahrung in Evaluationen mit Feldbesuchen von international tätigen Evaluator*innen aufgebaut.

Die Handreichung gliedert sich in folgende Kapitel:

  • Kapitel 2: Voraussetzungen, Stärken und Schwächen. In diesem Kapitel werden die Voraussetzungen identifiziert, unter denen Remote-Evaluationen durchgeführt werden können. Grundlegende Stärken und Schwächen der Evaluation aus der Distanz werden benannt.
  • Kapitel 3: Erfahrungen und Tipps für die praktische Anwendung. Kapitel 3 beschreibt Erfahrungen bei der Durchführung von Remote-Evaluationen sowohl aus der Sicht von Auftraggebenden als auch von Evaluator*innen. Die Gliederung entspricht dem Ablauf einer Evaluation, angefangen bei der Planung, über die Durchführung hin zur Berichterstattung und dem anschließenden Umsetzungsprozess.
  • Kapitel 4: Ausblick. Das letzte Kapitel nimmt insbesondere in den Blick, wie Kapazitäten gestärkt werden können und wie die Nützlichkeit von Evaluationen durch Remote-Elemente erhöht werden könnte.

In die vorliegende Handreichung sind die Erfahrungen der an der Arbeitsgruppe beteiligten Kolleg*innen eingeflossen. Zudem wurden Handreichungen zu Remote-Evaluationen international und entwicklungspolitisch tätiger Organisationen (u.a. PTB, GIZ und CBM) sowie Informationen aus der internationalen Fachdebatte gesichtet (s. die Literaturliste im Anhang). Mit Blick auf die sich derzeit rasch entwickelnde Fachdebatte zu Remote-Evaluationen ist sich die Arbeitsgruppe bewusst, hier zwar wichtige Elemente zusammenzufassen, aber keine Vollständigkeit erreichen zu können. Das letzte Kapitel gibt einen Ausblick auf Themen, die voraussichtlich in 2022 in den Fokus rücken werden. Die Handreichung soll punktuell aktualisiert und ergänzt werden. Dies geschieht über die AG Remote-Evaluation, die sich über Anregungen und konstruktive Kritik freut. Der Kontakt läuft über den AK-Epol-HuHi oder über mich.